In Deutschland leben etwa 600 Wildbienenarten. Die meisten davon besiedeln trockenwarme und offene Lebensräume. Um sich dort fortpflanzen zu können, benötigen sie eine große Strukturvielfalt, die aus Hecken, Altholz, offenen Rohbodenflächen und einem reichhaltigen Angebot blühender Pflanzen bestehen muss. Nur so können Wildbienen ihre hohen Ansprüche an den Lebensraum erfüllen. In Städten eröffnen Gärten und öffentliche Parkanlagen, Friedhöfe und Brachflächen große Chancen für Wildbienen, sofern sie reichhaltig gegliedert sind und einheimische Pflanzenarten

beherbergen. Daher finden sich gerade in Städten zahlreiche Wildbienenarten, darunter viele bedrohte oder hoch anspruchsvolle Arten.Wildbienen sind in Deutschland stark gefährdet. Etwa die Hälfte aller Arten steht auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten, einige Arten sind bereits ausgestorben oder unmittelbar vom Aussterben bedroht. Wildbienenschutz ist daher ein wichtiges öffentliches Thema. Wildbienen sind gesetzlich geschützt und dürfen nicht gefangen oder beeinträchtigt werden. Einen informativen Steckbrief über die Wildbienen finden Sie hier.

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Wildbienenarten sind bisher in Deutschland nachgewiesen!

Wildbienen erkennen!

Die meisten Wildbienenarten lassen sich leicht an ihrer pelzigen Behaarung erkennen. Die Weibchen besitzen zudem an den Hinterbeinen oder unter dem Bauch spezielle Haare, an denen sie Pollen transportieren. Bei genauer Betrachtung sind oftmals die gefüllten Pollenhöschen der Tiere zu erkennen. Auch die etwa 40 Hummelarten in Deutschland gehören zu den Wildbienen. Neben den pelzigen Vertretern der Wildbienen gibt es eine Reihe von Arten, die keine Haare tragen. Viele von ihnen, besonders die Kuckucksbienen, sind auffällig gelbschwarz oder rotschwarz gefärbt. Sie können leicht mit verschiedenen Wespenarten verwechselt werden. Auch die Maskenbienen, schwarze und unauffällige Arten mit oftmals weniger als einem Zentimeter Körperlänge, werden häufig eher für eine Wespe als für eine Wildbiene gehalten. Die kleinste deutsche Biene, die Steppenbiene, misst nur vier Millimeter Körperlänge. Sie  kommt nur noch auf wenigen Sandstandorten in der Oberrheinebene vor. Die nächsten Verwandten der Bienen sind die Grabwespen, die Faltenwespen und die Wegwespen. Zusammen mit den Bienen werden sie und andere Insektenfamilien in der Gruppe der Stechimmen (das sind Arten, deren Weibchen einen Wehrstachel besitzen) in der Insektenordnung der Hautflügler zusammengefasst.

  • Fuchsrote Sandbiene (Andrena fulva)

    Die Fuchsrote Sandbiene ist eine häufige Art in Gärten und vielen anderen Lebensräumen. Sie ist durch ihre dichte rote Behaarung unverwechselbar. Die Art ist oft an blühender Johannisbeere zu finden. Sie gräbt ihre Nester in den Boden und legt dort Brutzellen an, in denen sich die Bienenlarve entwickelt.

  • Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae)

    Diese auffällige Bienenart wurde zur Biene des Jahres 2018 gewählt. Sie kam ursprünglich nur in Südwestdeutschland vor und breitet sich durch den Klimawandel derzeit nach Norden aus. Sie hat inzwischen Norddeutschland erreicht. Die Biene nistet im Boden und sammelt Pollen an vielen verschiedenen Pflanzenarten.

  • Garten Wollbiene (Anthidium manicatum)

    Die Wollbiene nistet in oberirdischen Hohlräumen, die mit Pflanzenfasern ausgekleidet werden. Die Männchen betreiben dabei ein sehr auffälliges Revierverhalten. Sie bewachen ihre Futterpflanzen aus der Luft und lassen nur Weibchen der eigenen Art zu. Andere Blütenbesucher, auch Honigbienen, werden attackiert und vertrieben.

  • Steinhummel (Bombus lapidarius)

    Die Steinhummel lebt wie die meisten anderen Hummelarten auch in Kolonien und nistet in oberirdischen Hohlräumen. Die Art ist weit verbreitet und im Siedlungsbereich sehr häufig. Dort ist sie unverwechselbar, während es im Freiland noch weitere Arten mit roter Hinterleibspitze gibt.

Schon gewusst?

Die meisten Wildbienenarten können einen Menschen nicht stechen, weil ihr Stachel viel zu fein ist, um unsere Haut zu durchdringen. Zudem ist von keiner Wildbienenart aggressives Verhalten bekannt, da die Arten ihre Nester nicht verteidigen. Das Weibchen einer Wildbiene – nur die weiblichen Tiere besitzen einen Wehrstachel – würde daher nur dann stechen, wenn man das Tier in die Hand nimmt. Doch selbst, wenn das Tier die Haut durchdringen kann, ist der Stich kaum spürbar. Eine Ausnahme davon machen lediglich Hummeln, doch auch ihr Stich hat längst nicht die Wirkung des Stichs einer Honigbiene.

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Hummelarten sind in Deutschland bekannt!

Lebensweise

Die überwiegende Zahl der Wildbienenarten lebt solitär. Das heißt, sie leben als Einzelgängerinnen (und nicht etwa in einem Bienenstock, wie die  Honigbiene). Die Arten überwintern als Larve oder Puppe und schlüpfen im Frühjahr oder Sommer. Nach der Paarung beginnen die Weibchen im Boden oder in einem oberirdischen Hohlraum, ein Nest mit verschiedenen Brutzellen anzulegen. In jede Zelle füllen sie Pollen und Nektar, legen ein Ei dazu und verschließen die Zelle sowie später das gesamte Nest. Dann überlassen sie die Larven sich selbst. Die Hummeln und wenige Arten der  Furchenbienen bilden einjährige Völker mit einer Königin aus. Bei diesen sozial lebenden Wildbienenarten überwintert eine befruchtete Königin und  gründet im Frühjahr ein Nest. Hier zieht sie zuerst Arbeiterinnen groß, die ihr beim Sammeln von Larvennahrung und beim Nestbau helfen. Später im Jahr produziert sie dann Männchen und befruchtungsfähige Weibchen, die Jungköniginnen. Diese verlassen das Nest, paaren sich und die Königinnen überwintern. Im folgenden Jahr beginnen sie den Zyklus von Neuem. Das alte Nest mit der alten Königin stirbt im Herbst ab. Ein Wildbienenweibchen ist pro Saison durchschnittlich drei bis sechs Wochen aktiv. Jede Art besitzt dabei eine individuelle Flugzeit. Die ersten Bienen erscheinen je nach Witterung mit der Blüte der Saalweiden ab März, die letzten Arten fliegen noch im September. Die sozialen Arten benötigen die gesamte Vegetationsperiode, um Nachkommen zu erzeugen.

Ein Blick in das Nest der Roten Mauerbiene

Als Einzelgänger bauen Wildbienenweibchen ihre Nester bis auf wenige Ausnahmen jedes für sich. Ein Weibchen kann unter günstigen Bedingungen etwa 30 Eier legen. Sie werden im Nest säuberlich durch Wände aus Lehm und Speichel voneinander getrennt abgelegt. Immer ein stiftförmiges Ei pro Brutzelle. Jedes Ei wird mit einem Brei aus Pollen und Nektar versorgt. Die erste und die letzte Brutzelle bleiben leer. Sie dienen als Puffer gegen Plünderer wie Vögel. Weil die Bienen entscheiden können, ob sie befruchtete oder unbefruchtete Eier legen, können sie über das Geschlecht des Eies entscheiden. Beim Bau werden zunächst befruchtete weibliche Eier gelegt, danach männliche. Entsprechend schlüpfen im Frühjahr die Männchen zuerst und warten direkt am Nest auf die Weibchen. Nach der Paarung beginnen die Weibchen dann mit dem Nestbau. Nach nur wenigen Wochen ist ihr kurzes Wildbienenleben zu Ende. Die Eier entwickeln sich im Nest zur Larve und dann zur Puppe mit Kokon, bis sie im nächsten Frühjahr schlüpfen.

Kuckucksbienen

Etwa 30 Prozent aller Wildbienenarten leben brutparasitisch. Gleich einem Kuckuck schleicht sich das Parasitenweibchen in ein fremdes Wildbienennest und legt sein Ei auf den Pollen, bevor die Wirtsbiene das Nest verschließt. Die Kuckuckslarve frisst den Pollenvorrat auf und schlüpft im Folgejahr anstelle der Wirtslarve. Letztere verhungert. Alle Kuckucksarten sind hoch spezialisiert und parasitieren meist nur wenige oder nur eine einzige Wirtsbienenart. Bei den sozialparasitischen Hummelarten übernimmt die Kuckuckshummel ein Hummelnest, indem sie die alte Königin tötet oder mittels spezieller Duftstoffe dominiert. Sie erzeugt keine Arbeiterinnen, sondern nur Geschlechtstiere, die von den Arbeiterinnen der Wirtsart großgezogen werden.

Wildbienen
Kuckucksbienen
  • Wespenbienen (Nomada spec.)

    Die Wespenbienen leben als Brutparasit. Die Weibchen schmuggeln dabei ihr Ei in das Wirtsnest,wo sich die Parasitenlarve von den Nahrungsvorräten des Wirtes ernährt. Es gibt bei uns über 70 verschiedene Wespenbienenarten, die stets nur eine oder sehr wenige Wirtsbienenarten parasitieren.

Nistansprüche

Bei ihrer Nistplatzwahl sind Wildbienen hoch spezialisiert. Viele Arten graben ihre Nester in den Boden und bevorzugen dabei je nach Art unterschiedliche Habitate wie offene Bodenstellen, dichte Grasnarbe, Steilwände, verdichtete Bodenstellen oder lockere Sande. Ein anderer Teil der Arten nistet oberirdisch in hohlen Stängeln, alten Käferbohrlöchern in Alt- und Totholz oder in selbst genagten Gängen in morschem Holz. Wieder andere Arten nisten in leeren Schneckenhäusern oder mörteln ihre Nester wie die Harzbienen aus Harz oder die Mauerbienen aus Lehm. Alle Nistplätze, sowohl der unterirdisch als auch der oberirdisch nistenden Arten, müssen besonnt sein, weil sich die Larven nur bei genügend hohen Temperaturen entwickeln können.

Nisten im Erdboden
Nisten in bestehenden Hohlräumen und Stängeln
Nagt sich selbst Gänge in Totholz
Baut Freinester aus Harz oder Mörtel
  • Abbruchkanten

    Besonnte Abbruchkanten sind für viele Wildbienenarten ein idealer Nistplatz.

  • Natürliche Niststrukturen...

    müssen nicht großflächig sein. Wichtig sind viele unterschiedliche Strukturen.

  • Vegetationsfreie Flächen

    Auch schütter bewachsene Rasenflächen bieten vielen Wildbienenarten einen geeigneten Nistplatz.

  • Nesteingang einer Wildbiene

    Über 70% der Wildbienenarten nisten im Erdboden.

Nahrungsansprüche

Die Wildbienen – mit Ausnahme der Brutparasiten – tragen Pollen und Nektar als Larvennahrung in ihre Nester ein. Etwa 30 Prozent aller in  Deutschland vorkommenden Arten sind für den Polleneintrag auf eine oder wenige Pflanzenfamilien, -gattungen oder sogar nur auf eine einzige Pflanzenart spezialisiert. Diese Bienenarten werden „oligolektische Arten“ genannt. Ohne ihre spezifische Pollenquelle können sich die Arten nicht entwickeln.

Neben der Pflanzenart ist auch die Anzahl entscheidend für den Fortpflanzungserfolg. Eine Biene benötigt manchmal Pollen von mehreren hundert oder gar tausend Einzelblüten, um eine einzige Brutzelle mit ausreichend Nahrung zu versorgen.  Zur Eigenversorgung mit Nektar können die erwachsenen Bienen auch andere Pflanzenarten nutzen. Besonders Bienenmännchen oder auch die Kuckucksbienen trifft man daher auf vielen verschiedenen Pflanzen an.

Schon gewusst?

Wildbienen haben ihre Vorlieben beim Pollensammeln. Die einen Arten sind polylektisch und sammeln Pollen an den Blüten mehrerer Pflanzenfamilien. Die anderen Arten sind oligolektisch und sammeln nur Pollen an Blüten einer ganz bestimmten Pflanzenfamilie oder -gattung.