Eine prioritäre Maßnahme zur Schaffung von Wildbienen-Lebensräumen in der Stadt ist das Anlegen von Wildblumenwiesen. Um langfristig stabile Wiesen mit einem hohen und vielfaltigen Angebot an Blüten zu schaffen, muss so einiges bedacht werden. Egal ob im Park, auf dem Mittelstreifen oder im eigenen Garten; das grundlegende Vorgehen bleibt dabei gleich:

Schritt 1: Vorbereitung der Fläche

Um ein gutes Saatbett anzulegen, wird im Frühjahr (April) oder Herbst (September) der Boden an einem sonnigen, trockenen und mageren Standort gefräst. Anschließend wird  eine homogene, gleichmäßige Oberfläche hergestellt. Im Garten kann man den Boden alternativ zum Fräsen auch umgraben.

Schritt 2: Ansaat und Starthilfe

Nun wird das Saatgut ausgebracht. Es ist wichtig, dabei auf eine hohe Qualität zu achten und auch darauf, dass das Saatgut in seiner Artzusammensetzung an die speziellen Bedürfnisse von Wildbienen angepasst ist. Besonders empfehlenswert ist die Nutzung von Regiosaatgut, das in der Region gewonnen und vermehrt wurde. Damit wird die Vermischung des Genpools mit standortfremden Pflanzen vermieden. Um die Aussaat zu erleichtern, empfiehlt es sich das Saatgut mit Sojaschrot oder Sand aufzumischen. Die in unseren Projekten verwendete Blühmischung ist für eine mehrjährige Nutzung angelegt. Im ersten Jahr, dem Etablierungsjahr, gelangen die meisten Arten jedoch noch nicht zur Blüte. Um dennoch bereits Nahrungsquellen für Wildbienen anzubieten und die Flächen bunter zu gestalten, mischen wir sogenannte Akzeptanzarten dazu. Dies sind einjährige Pflanzenarten, die vor allem einen farbenfrohen Blühaspekt erzeugen. Sie verschwinden im zweiten Jahr wieder, sobald die eigentlichen Zielarten zur Blüte gelangen.

Nach der Ansaat wird das Saatgut angewalzt und bewässert. Dabei ist es sehr wichtig zu beachten, dass das Saatgut nicht mit Erde bedeckt wird,  da es sich um lichtkeimende Pflanzenarten handelt. Je nach Wetterbedingungen muss die Fläche nun regelmäßig gewässert werden, um das Keimen und Anwachsen der Pflanzen zu sichern. Wenn sich die Pflanzen gut entwickelt haben, kann das Bewässern eingestellt werden.

Schritt 3: Pflege im ersten Jahr nach Ansaat

Definition „Erstes Jahr nach Ansaat“: Bei Ansaat im Frühling dasselbe Jahr, bei Ansaat im Herbst das folgende Jahr

Im ersten Jahr nach Ansaat sollte die Wildblumenwiese durch sogenannte „Schröpfschnitte“ gepflegt werden. Bei diesen Schnitten wird die Vegetation auf ca. 20 Zentimeter Höhe abgemäht, was je nach Witterung ein bis drei Mal pro Jahr notwendig wird.

Dahinter steht folgender Grund: Im ersten Jahr nach Aussaat kommen fast nur einjährige Pflanzen zur Blüte, die zwar schön aussehen, jedoch nicht die gewünschten Zielarten für eine mehrjährige und langfristig stabile Wildblumenwiese sind. Die eigentlichen, mehrjährigen, Zielarten bilden im ersten Jahr zunächst nur ein Rosettenstadium aus und blühen erst im Folgejahr. Um aber genau diese Zielarten zu fördern, müssen die Schröpfschnitte erfolgen, um unerwünschtes und für Wildbienen wertfreies Beikraut (z.B. Gänsefuß) zu schwächen. Ohne solche Schnitte würde sich das Beikraut weiter ausbreiten und  im kommenden Jahr die eigentlich gewünschten Zielarten unterdrücken. Die Schröpfschnitte können mitunter recht rigoros wirken, insbesondere, wenn zuvor schöne Blüten vorhanden waren. Für die Wildbienen ist dieser Schritt aber trotzdem sehr wichtig, da ihnen mit einer langfristig stabilen Wildblumenwiese mit hoher Artenvielfalt deutlich mehr geholfen ist, als mit einer einjährigen Wiese mit nur wenigen Pflanzenarten. Da ein bedeutender Teil der Wildbienen auf bestimmte Pflanzen spezialisiert ist und ohne diese keine Nahrung findet, ist die hohe  Artenvielfalt an Wildblumen besonders bedeutsam.

Nach den Schröpfschnitten muss das Mähgut von der Fläche entfernt werden, um eine Nährstoffanreicherung zu vermeiden.

Wichtig!

Da sich der Großteil der ausgebrachten Wildblumen erst ab dem zweiten Jahr vollständig entwickelt hat und im ersten Jahr noch ein unscheinbares Schattendasein führt, sehen viele Wildblumenwiesen im ersten Jahr eventuell noch etwas durcheinander, kahl und ggf. farblos aus. Wer etwas geduldig ist, wird ab dem zweiten Jahr mit einer farbenfrohen Wildblumenwiese belohnt!

Schritt 4: Pflege ab dem zweiten Jahr nach Ansaat

Definition „Zweites Jahr nach Ansaat“: Bei Ansaat im Frühling das nächste Jahr, bei Ansaat im Herbst das übernächste Jahr

Wenn sich die Wildblumenwiese erfolgreich etabliert hat, sollte sie ab dem zweiten Jahr nur noch einmal, ca. im Juni, gemäht werden. Dieser Schnitt regt die Blütenbildung an und verlängert die Blüte bis in den Herbst. Zudem sichert ein einschüriger Schnitt das Biotop „Wiese“, da Wiesen ohne Pflege schnell an Artenvielfalt verlieren und verbuschen. Um das Nahrungsangebot für Bestäuber ab dem zweiten Jahr stabil zu halten, sollte in zwei Abschnitten gemäht werden. Dabei sollte erst ein Teil der Fläche gemäht und der andere Teil ca. 3-4 Wochen später gemäht werden. So sind stets Blüten für die Wildbienen vorhanden.

Auch hier ist es wichtig, das Mähgut von der Fläche zu entfernen.