Welchen Nutzen haben Gründächer für Wildbienen?

Wildbienen sowie die Honigbiene spielen nicht nur eine wichtige Rolle bei der Bestäubung von Pflanzen in der freien Landschaft. Auch in Städten tragen sie dazu bei, Pflanzen zu bestäuben, die Brachflächen oder andere wenig genutzte Standorte wiederbesiedeln. Jedoch werden das Nahrungsangebot sowie das Angebot an Nistplätzen in der Stadt für viele Wildbienenarten immer knapper. Der Raum innerhalb von Städten wird zunehmend intensiver genutzt, so dass kaum noch Freiflächen mit den nötigen Kleinstrukturen für Wildbienen existieren.

Dabei bieten Städte mit ihrem Mikroklima gute Voraussetzungen für eine vielfältige Wildbienenfauna. Als kaum bedeutsam für den Arten- und Naturschutz schätze man bisher das Potenzial von Gründächern als Ersatzlebensraum für Flora und Fauna ein. Doch auf strukturreichen Dachflächen mit unterschiedlichen Substratstärken kann sich eine artenreiche Flora und Fauna entwickeln. Dachbegrünungen können eine Ergänzung zu versiegelten Flächen darstellen und können, wenn sie richtig gestaltet sind, zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen. Wildbienen können im Siedlungsraum durch das wärmere Klima sowie eine hohe Struktur- und Pflanzenvielfalt günstige Lebensraumbedingungen vorfinden und profitieren von der höheren Sonneneinstrahlung auf den begrünten Dächern.

Von den knapp 600 Wildbienenarten Deutschlands besitzt ein Großteil spezielle Anforderungen sowohl an die Wahl ihrer Nahrungspflanzen als auch an die benötigten Niststrukturen. Sie profitieren von einer blütenreichen Pflanzenwelt, die während der gesamten Vegetationsperiode Futter in Form von Nektar und Pollen zur Verfügung stellt. Dachbegrünungen können hierzu einen wichtigen Beitrag leisten. Gleichzeitig sind die Pflanzenarten auf den Dächern auf Bienen und andere Bestäuber angewiesen, damit die Pflanzenpopulation aufrechterhalten wird. Dies dient wiederrum anderen Tieren als Nahrungsressource.

Schon gewusst?

Viele Städte haben Förderprogramme, die Privatpersonen und Unternehmen bei der Anlage von Dachbegrünungen unterstützen. Weitere Informationen zu den einzelnen Förderprogrammen finden Sie hier:

Mehr als 30 % aller nestbauenden Wildbienenarten Deutschlands sind sogenannte Pollenspezialisten, die zur Aufzucht ihrer Nachkommen auf den Pollen bestimmter Pflanzenfamilien oder sogar –arten angewiesen sind. Je mehr Strukturen ein Gründach aufweist, desto mehr Wildbienenarten können gefördert werden. Über 50% der Wildbienenarten legen ihre Niströhren im Boden an und sind damit auf bestimmte Substrattypen und –tiefen angewiesen. Ungefähr ¼ der Wildbienen lässt sich durch das Aufstellen von künstlichen Nisthilfen, den sogenannten Wildbienenhotels, fördern. Die restlichen Wildbienenarten sind auf Totholz und andere Strukturen angewiesen.

Schon gewusst?

Welche Wildbienenarten das Gründach letztendlich nutzen können, ist im großen Maß von der Vernetzung des Gründaches mit anderen Lebensräumen sowie von der Höhe und Lage des Gebäudes und der Bepflanzung abhängig. Je höher das Gründach liegt, desto stärkeren Winden ist es ausgesetzt und desto weniger Wildbienenarten können es als Lebensraum nutzen.

Welche Dachbegrünungstypen gibt es?

Dachbegrünungen unterscheiden sich hinsichtlich der Mächtigkeit des Substrates und der damit verbundenen Bepflanzung. Grob wird zwischen der intensiven sowie extensiven Dachbegrünung unterschieden.

  • Bei intensiven Dachbegrünungen besitzt das Substrat eine Tiefe von 20 – 80 cm. Hier können aufwendige Begrünungen mit Stauden und Sträuchern, im Einzelfall auch mit Bäumen durchgeführt werden. Der Pflegeaufwand ist mit dem eines Gartens zu vergleichen, eine ausreichende Bewässerung und Pflege muss gegeben sein. Bei einer intensiven Dachbegrünung, kann die Fläche durch den Menschen genutzt werden.

Beispiele: Neubauten, kann nur selten nachträglich aufgerüstet werden

  • Extensive Dachbegrünungen zeichnen sich durch geringere Substrattiefen zwischen 2 und 20 cm aus. Es ist keine zusätzliche Bewässerung notwendig. In trockenen Sommermonaten ist das Blütenangebot jedoch sehr stark reduziert. Durch das geringere Gewicht des eingesetzten Substrates kann diese Begrünungsform auch nachträglich durchgeführt werden. Die Kosten in der Herstellung und im Unterhalt sind geringer als bei der intensiven Dachbegrünung.

Beispiele: Carport, Garage, Hausdächer mit geringer Neigung, Flachdächer etc.

  • Beispiel einer intensiven Dachbegrünung.

  • Beispiel einer extensiven Dachbegrünung.

Gestaltungshinweise

Bei der Planung begrünter Dächer ist auf ein hohes, vielfältiges und kontinuierliches Blütenangebot sowie auf eine vielfältige und abwechslungsreiche Gestaltung von Nistmöglichkeiten zu achten. Generell bieten intensive Dachbegrünungen durch ihre höhere Strukturvielfalt und die tieferen Substratschichten mehr Möglichkeiten einer abwechslungsreichen Bepflanzung und Gestaltung von Nistmöglichkeiten, von denen vor allem die im Boden nistenden Wildbienen profitieren. Aber auch extensive Begrünungen können ein vielfältiges Angebot an Nahrungspflanzen bereitstellen und zusätzlich mit Nisthilfen aufgewertet werden.

Nahrungsangebot

Wildbienen werden durch ein hohes Blütenangebot mit unterschiedlichen Pflanzenarten gefördert. Um über die gesamte Vegetationsperiode ein reichhaltiges Blühangebot bereitzustellen sollten neben frühblühenden Arten auch Hochsommerarten in der Bepflanzung vorhanden sein. Dabei ist darauf zu achten, dass die verwendeten Pflanzen an den Extremstandort angepasst sind und mit den trockenen und rauen Umweltbedingungen zurechtkommen.

Hier gibt es eine Übersicht an möglichen Pflanzenarten!

Die beigefügte Pflanzenliste enthält wildbienenfreundliche Pflanzenarten, die für extensive Flachdachbegrünung geeignet sind und wichtige Nektar- und Pollenquellen darstellen. Neben den Wildbienen bieten diese Pflanzen auch sehr vielen anderen Insektenarten wie Schmetterlingen, Käfern, Fliegen oder Wespen Nahrung. Der Liste können Sie auch entnehmen, welche Pflanzenarten sich für welche Substrattiefe eignen.

Download der Flachdach-Liste

Nistplatzangebot

Neben einem reichhaltigen Blühangebot sollten vielfältige Niststrukturen geschaffen werden. Bodennistende Arten werden mit einer Substrattiefe von >25 cm gefördert. Hier gilt, je tiefer das Substrat, desto besser. Einige Arten nehmen auch schon Substrattiefen von 10 – 15 cm an, jedoch ist unsicher, ob die Nachkommen erfolgreich überwintern, da das Substrat in kalten Wintern durchfrieren kann.

Auf strukturreichen Dachflächen mit unterschiedlichen Substratstärken kann sich eine artenreichere Flora und Fauna entwickeln als auf ausgeglichenen, dünnen Substratschichten. Die Standortvielfalt und damit auch die Vielfalt an Vegetationsformen kann durch unterschiedliche Substrate und Substratstärken mit geringem Aufwand deutlich erhöht und das Artenspektrum der Nahrungspflanzen und damit der Wildbienen vergrößert werden. Generell ist feines erdig-sandiges Substrat dem klassischen Tonsplittergemisch zu bevorzugen. Ist dies aus Kostengründen bzw. aus statischen Gründen nicht machbar, sind zumindest Strukturelemente, wie Sandlinsen wünschenswert Weiterhin wirkt sich eine lückige Vegetation positiv auf viele bodennistende Arten aus. Kleinere bodennistende Wildbienenarten lassen sich auch mit Substrat gefüllten Blumenkästen fördern.

Das Nistplatzangebot für oberirdische nistende Wildbienen kann durch künstliche Nisthilfen einfach und erfolgreich erhöht werden. Hier eignen sich Hartholzblöcke (Eiche, Buche, Esche) mit Bohrungen von 5 -10 cm Tiefe und einem Durchmesser von 3 – 10 mm. Überwiegen werden Bohrgänge mit einem Durchmesser von 4 – 7 mm genutzt. Weiterhin eignen sich Nisthilfen aus hohlen Pflanzenstengeln wie Bambus oder Schilf. Die Nisthilfen sollten sonnig und regengeschützt aufgebaut werden. Die Mindesthöhe über dem Boden sollte etwa 30 cm betragen, damit die Nisthilfe nicht durch die Vegetation beschattet wird. Bei intensiven Dachbegrünungen ist die Anlage von markhaltigen Stängeln von bspw. Königskerzen, Himbeeren, Disteln, Beifuss oder auch Holunder empfehlenswert. Alternativ lassen sich auch 0,5 – 1 m lange zurechtgeschnittene Stücke vertikal an Pfosten oder zwischen gespannten Drähten fixieren. Weiterhin sollten Totholzelemente, wie zum Beispiel alte Baumstrünke oder Wurzelstöcke angeboten werden.