Wildbienen Monitoring

Bewandtnis und methodisches Vorgehen

Um die Bedeutung unserer neu geschaffenen Lebensräume für Wildbienen messbar zu machen und so die Wirksamkeit der verwendeten Methoden beurteilen zu können, wird eine Auswahl unserer Projektflächen in den Städten Berlin und München wissenschaftlich untersucht. Dazu wird ein regelmäßiges Monitoring der Wildbienen Population durchgeführt. Mit Hilfe der hierdurch gewonnenen Daten können Rückschlüsse gezogen werden, wie sich die Wildbienenpopulation im Laufe der Maßnahmen verändert und ob z.B. neue Arten hinzukommen. In Berlin untersuchen wir zusätzlich die Vegetation um zu überprüfen, in welchem Maße wir die Qualität und Quantität des Nahrungsangebots für Bestäuber erhöhen konnten. Die gewonnenen wissenschaftlichen Daten ermöglichen es uns, unsere eingesetzten Methoden zu evaluieren und eine generelle Aussage zum Potential von Wildbienenschutz in urbanen Räumen treffen zu können.

Mehr Informationen zur Vegetationskartierung finden sie hier…

Aus den Daten des Monitorings können wir zudem ablesen, wie es aktuell um die städtische Wildbienenpopulation steht. Aufbauend auf den Ergebnissen solcher Untersuchungen lassen sich auch die „Roten Listen (gefährdeter Arten)“ erstellen, die Informationen über den Gefährdungsgrad von Tieren und Pflanzen geben und ein Bild über die biologische Vielfalt in Deutschland vermittelt. In Hamburg erstellt die Deutsche Wildtier Stiftung aktuell eine Rote Liste für Wildbienen, da es bis zum Start des Projektes 2016 keine systematische Bestandserfassung der Wildbienen gab. Hier können Sie mehr darüber erfahren.

Nicht zuletzt sind die Ergebnisse der Kartierungen für uns auch eine politische Argumentationsgrundlage, mit der wir den Erfolg unseres Projektes wiederspiegeln können.

Ergebnisse des Wildbienen Monitorings in Berlin

In Berlin kartieren wird bereits seit 2018 Wildbienen auf unseren Projektflächen. Im ersten Jahr wurden fünf der Projektflächen im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf untersucht. Diese Untersuchung sollte den Ist-Zustand der Flächen vor Umsetzung der geplanten Maßnahmen darstellen. Die Maßnahmen wurden anschließend an die Ergebnisse der Untersuchung angepasst.

2019 wurden diese Flächen nach der Umsetzung der Maßnahmen erneut untersucht sowie zusätzlich vier weitere Flächen aus den Bezirken Mitte und Friedrichshain, die bereits wildbienenfreundlich umgestaltet wurden. Das Wildbienen Monitoring wird in Berlin bis zum Projektende kontinuierlich fortgeführt.

Die nachfolgende Tabelle zeigt, welche Projektflächen in den beiden Jahren kartiert wurden.

Untersuchungsflächen der Wildbienenkartierung Berlin
Bezirk20182019
Charlottenburg-WilmersdorfPark RuhwaldPark Ruhwald (Große und kleine Wiese)
Charlottenburg-WilmersdorfOtto-Suhr-AlleeOtto-Suhr-Allee
Charlottenburg-WilmersdorfTegeler WegTegeler Weg
Charlottenburg-WilmersdorfHohenzollerndammHohenzollerndamm
Charlottenburg-WilmersdorfForckenbeckstraßeForckenbeckstraße
Charlottenburg-Wilmersdorf Spandauer Damm
Friedrichshain-Kreuzberg Wriezener Park
Mitte Spreebogenpark
Mitte Altonaer Straße

Bei der Untersuchung 2018 wurden 45 Wildbienenarten auf den Projektflächen vor der Umsetzung der Maßnahmen festgestellt. Welche Arten das genau waren, können Sie hier nachlesen.

Nach der Berliner Roten Liste (SAURE 2005) gelten von den 45 nachgewiesenen Wildbienenarten drei Arten als stark gefährdet bzw. als vom Aussterben bedroht. Fünf Wildbienenarten stehen auf der Vorwarnliste. Nach der Roten Liste Deutschlands (WESTRICH et al. 2011) werden sechs Arten als gefährdet bzw. stark gefährdet eingestuft und drei weitere Arten zur Vorwarnliste gestellt.

In der Untersuchung in 2019 hat der Experte insgesamt 92 verschiedene Arten gefunden. Dies ist ein erfreulich hohes Ergebnis. Sieben der Arten stehen auf der Roten Liste Berlins und neun auf der Roten Liste Deutschlands und sind damit landes-, bzw. bundesweit gefährdet. Zehn bzw. elf Arten stehen auf den Vorwarnlisten von Berlin bzw. Deutschland.

Eine herausragende Art ist die  in Deutschland stark gefährdete Blattschneiderbiene Megachile ligniseca. Sie wurde am Tegeler Weg gefunden. Am Wriezener Bahnhof traten die in Berlin stark gefährdeten Arten der Blutbiene Sphecodes cristatus und der Blattschneiderbiene Megachile pilidens auf. Außerdem wurde die vom Aussterben bedrohte Goldfurchenbiene Halictus submediterraneus gefunden. Hierbei handelt es sich um eine sehr schöne Art, die sich durch einen golden schimmernden Hinterleib und smaragdgrüne Facettenaugen auszeichnet.

Ein besonderes Highlight der letztjährigen Untersuchung ist jedoch die Stängel-Löcherbiene Heriades rubicola. Sie wurde erst 2017 zum ersten Mal für Deutschland nachgewiesen, auch in Berlin. Am Wriezener Bahnhof besitzt sie eine individuenstarke Population.

Diese Ergebnisse zeigen, dass unser Projekt in Berlin in die richtige Richtung geht. Auf den zehn Flächen wurden teilweise andere Arten gefunden als bei der ersten Untersuchung, doch lässt sich festhalten, dass auf allen Flächen gleich viele, mehr oder deutlich mehr Arten präsent waren als vor den Maßnahmen. Wir gehen davon aus, dass die Artenzahl durch unsere Maßnahmen in den nächsten Jahren weiter ansteigen wird.

Diese Erkenntnisse motivieren uns für weitere Projekte! Derzeit laufen bereits die Ansaaten zahlreicher neuer Fläche auf denen wir den bedrohten Wildbienenarten neue Lebensräume schaffen.

Ergebnisse des Wildbienen Monitorings in München

In München wurde 2019 zum ersten Mal eine Untersuchung der Wildbienen durchgeführt. Diese fand auf sieben Projektflächen statt, auf denen teilweise bereits Maßnahmen umgesetzt wurden. Die Untersuchung läuft über den gesamten Zeitraum des Projektes, lediglich auf den Flächen „Waldfriedhof“ und „Englischer Garten“ wurde die Untersuchung einmalig vorgenommen, da hier keine Maßnahmen zur Verbesserung des Nahrungs- und Nistplatzangebotes für Wildbienen durchgeführt werden. Neben der Überprüfung welche Arten im untersuchten Gebiet vorkommen (qualitative Methode), wurde in München auf den Projektflächen „Olympiapark“, „Mettenstraße“, „Pippingerstraße“ und „Neuer Südfriedhof“ ebenfalls eine quantitative Erhebung innerhalb der Blühstreifen durchgeführt. Dabei wurde nicht nur überprüft welche Arten in dem untersuchten Blühstreifen vorkommen, sondern auch in welcher Stückzahl. Dadurch lässt sich bei einem Vergleich mit zukünftigen Kartierungen feststellen, wie groß der Einfluss unserer Maßnahmen ist.

Die nachfolgende Tabelle zeigt, welche Projektflächen 2019 in München kartiert wurden.

Untersuchungsflächen der Wildbienenkartierung München
ProjektflächeZeitpunkt der Kartierung
OlympiaparkNach Umsetzung der Maßnahmen
Mettenstraße / NederlingstraßeNach Umsetzung der Maßnahmen
PippingerstraßeNach Umsetzung der Maßnahmen
Neuer SüdfriedhofNach Umsetzung der Maßnahmen
HirschgartenVor Umsetzung der Maßnahmen
WaldfriedhofKeine Maßnahmen vorgesehen
Englischer GartenKeine Maßnahmen vorgesehen

Bei der Untersuchung 2019 wurden insgesamt 77 Wildbienenarten festgestellt. 19 davon bei der quantitativen Erfassung innerhalb der Blühstreifen. 14 der Arten ernähren sich oligolektisch und sind unmittelbar an das Vorkommen spezieller Pflanzenarten als Pollenquellen angewiesen. Von den nachgewiesenen Arten sind nach der Roten Liste Bayerns drei Arten gefährdet, bei einer Art ist eine Gefährdung anzunehmen und fünf Arten befinden sich auf der Vorwarnliste. Nach der Roten Liste Deutschlands sind drei Arten stark gefährdet bzw. gefährdet und drei weitere Arten befinden sich auf der Vorwarnliste.

Ein besonderer Fund ist die Art Hoplitis villosa, die nach der Roten Liste Deutschlands als stark gefährdet eingestuft wird. Sie wurde am Waldfriedhof festgestellt. Dort wurde außerdem die nach der Roten Liste Bayerns als gefährdet eingestufte Art Megachile rotundata gefunden. An der Untersuchungsfläche Englischer Garten wurden die beiden sowohl nach der Roten Liste Bayerns als auch nach der Roten Liste Deutschland ebenfalls als gefährdet eingestufte Arten Andrena fulvicornis und Andrena hattorfiana festgestellt. Die nach der roten Liste Deutschland gefährdete Hummelart Bombus humilis wurde auf den Untersuchungsflächen Neuer Südfriedhof, Hirschgarten und Pippingerstraße kartiert.

Eine wertgebende Wildbienenart die innerhalb der Blühstreifen kartiert wurde, ist die Zwergsandbienenart Andrena alfkenella. Sie wurde in der Pippinger Straße festgestellt und befindet sich nach der Roten Liste Deutschlands auf der Vorwarnliste.