Glockenblumen-Schmalbiene

Die Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum) gehört zu den hochspezialisierten Wildbienenarten in Deutschland. Ihr Name verweist bereits auf ihre wichtigste Lebensgrundlage: Glockenblumen, an denen sie den Pollen für ihre Larven sammelt. Durch den Rückgang blütenreicher Lebensräume wird die Art bundesweit als gefährdet eingestuft.

Gefährdete Glockenblumenspezialistin

Die Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum) ist zur Wildbiene des Jahres 2026 gekürt worden. Namensgebend ist ihre oligolektische Lebensweise, denn den Pollen für ihre Brut sammelt die Art ausschließlich an Pflanzen aus der Familie der Glockenblumengewächse (Campanulaceae).

Mit einer Körpergröße von etwa 9 bis 10 Millimetern ist die Art deutlich kleiner als die Honigbiene. Der Körper ist tiefschwarz und glänzend, die Weibchen tragen an der Basis mehrerer Hinterleibssegmente auffällige weiße Haarflecken. In Verbindung mit dem charakteristischen Blütenbesuch an Glockenblumen lassen sich die Weibchen im Gelände vergleichsweise gut erkennen. Die Männchen sind äußerlich kaum von anderen Arten der Gattung Lasioglossum zu unterscheiden. Zum Nektartrinken werden auch andere Pflanzen, wie beispielsweise Malven (Malva), besucht.

Die Art lebt solitär. Die Weibchen legen ihre Nester selbstständig im Boden an, bevorzugt in offenen, sandigen oder löss-lehmigen Substraten an Böschungen, Abbruchkanten oder vegetationsarmen Stellen. Aufgrund des Rückgangs geeigneter Blütenpflanzen und strukturreicher Lebensräume gilt die Glockenblumen-Schmalbiene in Deutschland bundesweit als gefährdet.

  • Die Glockenblumen-Schmalbiene (Lasioglossum costulatum) ist Wildbiene des Jahres 2026. Foto: Paul Geisendörfer / iNaturalist / CC BY-NC / Link

  • Mit ihrer schwarz-weißen Färbung und etwa einem Zentimeter Körpergröße ist die Art äußerlich eher unscheinbar. Foto: Paul Geisendörfer / iNaturalist / CC BY-NC / Link

  • Die Art ist oligolektisch: Die Weibchen sammeln den Pollen für Ihre Nachkommen ausschließlich an Glockenblumengewächsen. Foto: Thomas Wood / CC BY-NC 2.0 / Flickr

    Steckbrief

    Familie

    Halictidae

    Körpergröße

    9 bis 10 Millimeter

    Flugzeit

    April – September

    Verbreitung

    Die Glockenblumen-Schmalbiene ist in allen Bundesländern Deutschlands vom Flachland bis in subalpine Höhenstufen nachgewiesen und gilt als mäßig häufig. Das tatsächliche Vorkommen hängt jedoch stark vom regionalen Angebot geeigneter Pollenpflanzen und Nistmöglichkeiten ab.

    Nistweise

    Die Glockenblumen-Schmalbiene ist solitär lebend. Die überwinterten Weibchen erscheinen früh im Jahr und beginnen nach der Paarung mit dem Nestbau und der Brutversorgung. Sie legen ihre Nester selbstständig im Boden an und bevorzugen leicht grabfähige Substrate wie Sand oder Lösslehm. Beliebte Nistplätze sind offene, vegetationsarme Bodenstellen, Abbruchkanten, Böschungen oder Steilwände.

    Bevorzugt werden daher strukturreiche, offene Lebensräume wie Waldränder, Bahndämme, Sand- und Kiesgruben, Magerrasen, extensiv genutzte Mähwiesen, Böschungen, Hohlwege sowie blütenreiche Wegränder. Auch in Siedlungsbereichen wie Gärten, Parks oder auf Brachflächen kann die Art vorkommen, sofern Glockenblumen vorhanden sind.

    Ernährung

    Die Art ist oligolektisch und auf Glockenblumengewächse (Campanulaceae) spezialisiert. Zu den wichtigsten Pollenquellen zählen unter anderem die Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata), Rapunzel-Glockenblume (C. rapunculus), Rundblättrige Glockenblume (C. rotundifolia) sowie das Berg-Sandglöckchen (Jasione montana).
    Vereinzelt wurden auch andere Pollenquellen, wie Labkraut (Galium, Fam. Rubiaceae), nachgewiesen, diese spielen jedoch für die Brutversorgung eine untergeordnete Rolle. Die Männchen nehmen zusätzlich Nektar an anderen Blüten, wie etwa an Malven (Malva), auf.

    Kuckucksbienen

    Bislang sind keine Kuckucksbienenarten bekannt, die auf Lasioglossum costulatum spezialisiert sind.

    Gefährdung und Schutz

    Bundesweit gilt die Glockenblumen-Schmalbiene als gefährdet. In der offenen Landschaft sind viele ihrer Lebensräume durch intensive Landwirtschaft, Bebauung und den Rückgang blütenreicher Säume verloren gegangen. In Siedlungsräumen zeigt die Art jedoch lokal positive Entwicklungen, da Glockenblumen zunehmend in Gärten, auf Balkonen und Terrassen kultiviert werden.
    Wie alle Wildbienen steht auch diese Art unter besonderem gesetzlichen Schutz.

    Was Sie tun können
    Fördern Sie heimische Glockenblumenarten im Garten oder auf dem Balkon, wie zum Beispiel Knäuel-, Rapunzel- oder Rundblättrige Glockenblume sowie das Berg-Sandglöckchen. Ergänzend helfen offene, sandige oder löss-lehmige Bodenstellen in sonniger Lage, die nicht bepflanzt oder abgedeckt werden. Schon kleine Kombinationen aus geeigneten Blütenpflanzen und Nistmöglichkeiten können der Glockenblumen-Schmalbiene wertvolle Lebensräume bieten.

    © Wildbienen