Gartenhummel

Plüschig, friedlich und fleißig: Die Gartenhummel ist eine der häufigeren Hummelarten in Europa – und wie der Name schon andeutet, fühlt sie sich in Gärten besonders wohl. Aber nicht nur dort. Sie ist ein echter Anpassungskünstler und ein faszinierendes Beispiel für die Vielfalt unter den Wildbienen.

Unverkennbare Frühlingsboten

Mit dem März hält der Frühling Einzug - und damit beginnt auch das neue Wildbienenjahr. Trotz oft noch kühler Temperatur sind bereits Mitte März die ersten Königinnen der Gartenhummel unterwegs, auf der Suche nach Nahrung und einem geeigneten Nistplatz. Die ersten Frühblüher haben sich bis dahin meist schon an Licht gewagt, genauso wie die Blüten einiger Obstbäume. Diese liefern den ersten Pollen und Nektar, eine wichtige Energiequelle für die alleinige Gründung eines ganzen Volkes.

Typisch für die Gartenhummel ist der schwarze Kopf, auf den direkt eine gelbe Querbinde folgt. Ihr Thorax (Brustbereich) ist gelb-schwarz-gelb behaart, wobei die schwarze Mittelbinde auffällig breit und nach hinten abgerundet ist. Ihr weißes Hinterleibsende ist ein weiteres Erkennungsmerkmal. Die Tergite – also die sichtbaren Segmente des Hinterleibs – sind abwechselnd gelb und schwarz: Tergit 1 gelb, Tergit 2–3 schwarz. Ein besonderes Merkmal: der lange Kopf mit verlängertem Rüssel. Damit kann sie Nektar aus tiefen Blütenröhren saugen, die anderen Arten verschlossen bleiben.

Verwechslungsgefahr besteht mit Arten wie der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris), der Feldhummel (Bombus ruderatus) oder der Heidehummel (Bombus jonellus).

  • Eine Gartenhummel (Bombus hortorum) mit ihrem langen Rüssel beim Blütenbesuch. Foto: Timmann

  • Gut erkennbar ist die Gartenhummel an ihren drei gelben Querbinden und dem hellen Hinterteil. Foto: gailhampshire / Flickr / CC BY 2.0

  • Der gelbe Kragen und das gelbe Band auf dem Scutellum sind gute Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderen Hummelarten. Foto: Sophie Lokatis

  • Foto: Willibald Lang

  • Foto: Ivar Leidus / CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

    Steckbrief

    Familie

    Apidae

    Körpergröße

    Königin bis 22 Millimeter, Arbeiterinnen 11 bis 16 Millimeter, Drohnen 13 bis 15 Millimeter

    Flugzeit

    März – September

    Verbreitung

    Die Gartenhummel ist in ganz Europa anzutreffen – vom Tiefland bis hinauf in alpine Höhenlagen von über 2.000 Metern. Sie zählt zu den sogenannten Ubiquisten, also Arten, die mit vielen verschiedenen Lebensräumen klarkommen.
    Ob Streuobstwiese, Straßenrand, Brachfläche oder Stadtpark: Die Gartenhummel ist überall dort zu finden, wo es genug Blüten gibt. Auch in Gärten, auf Balkonen oder an Waldrändern ist sie regelmäßig unterwegs – und das sogar mitten in der Stadt.

    Nistweise

    Die Gartenhummel ist sowohl Nestbauerin als auch -bezieherin. Am liebsten nistet sie unterirdisch – zum Beispiel in verlassenen Mäusenestern. Manchmal nutzt sie aber auch alte Vogelnester, Nistkästen oder sogar Hohlräume an Gebäuden.
    Spannend: Die Königin ist oft ein sogenannter „Rückkehrer“ – sie kehrt also an den Nistplatz ihrer Mutter zurück, um dort ein neues Volk zu gründen.
    Bereits im März, nach der Winterruhe, suchen die ersten Jungköniginnen nach einem passenden Nistplatz. Die Gründung des Volkes verläuft in typischer Hummelmanier:
    Die Königin legt Eier, versorgt die geschlüpften Larven allein, bis nach einigen Wochen die ersten Arbeiterinnenschlüpfen und ihr bei Brutpflege und Nahrungssuche helfen.
    Ab Juni erscheinen die ersten Drohnen, ab Juli die Jungköniginnen – diese paaren sich mit den Männchen, suchen sich anschließend ein Winterquartier, während das restliche Volk abstirbt.
    In seltenen Fällen bringt die Gartenhummel im Spätsommer sogar eine zweite Generation hervor – eine Besonderheit unter Hummeln. Dann gründen begattete Jungköniginnen noch im selben Jahr ein neues Volk, ohne Winterpause.
    Mit 50–120 Individuen bleibt ein Gartenhummelvolk übrigens eher klein im Vergleich zu anderen Hummelarten.

    Ernährung

    Die Gartenhummel ist ein echter Vielflieger – bis zu 2 km legt sie auf der Nahrungssuche zurück.
    Sie ist polylektisch, also nicht auf bestimmte Pflanzen spezialisiert. Besonders beliebt sind Kleearten (Trifolium), Ziest (Stachys), Taubnesseln (Lamium) oder Kornblumen.
    Dank ihres langen Rüssels kann sie Nektar aus langen, schmalen Blütenröhren aufnehmen, die für andere Wildbienen unerreichbar bleiben.
    Übrigens: Die Gartenhummelköniginnen zählen zu den wichtigsten Bestäuberinnen von Obstbäumen.

    Gartenhummeln sind außerdem “Pocketmaker”, zu denen langrüsselige Hummelarten zählen, sie speichern ihre Nahrung ebenfalls in den Brutzellen, verschließen diese aber zusätzlich durch spezielle Taschen (pockets).

    Kuckucksbienen

    Ihr Brutparasit ist die Bärtige Kuckuckshummel (Bombus barbutellus), die ihre Eier heimlich in die Nester der Gartenhummel legt – die Arbeiterinnen ziehen dann ungewollt die fremde Brut auf.

    Gefährdung und Schutz

    Trotz ihrer Anpassungsfähigkeit ist auch die Gartenhummel von Lebensraumverlust betroffen. Die zunehmende Versiegelung von Flächen, die intensive Landwirtschaft, aber auch blütenarme Parks und Gärten machen ihr das Leben schwer.
    Obwohl sie aktuell nicht als gefährdet gilt, zeigen Beobachtungen einen rückläufigen Bestand. Sie ist aber wie alle Wildbienenarten nach der Bundesartenschutzverordnung des Bundesnaturschutzgesetzes besonders geschützt.

    Was können Sie tun?
    Wer im Frühjahr eine erschöpfte Hummelkönigin findet, kann sie mit einem Teelöffel Honig oder Zuckerwasser wieder neue Kraft tanken lassen. Setzt man die Hummel anschließend vorsichtig an einen sonnigen Ort, kann sie sich aufwärmen und anschließend wieder zur Nestsuche starten. Dadurch retten Sie nicht nur diese eine Hummel, sondern gleich den ganze Hummelstaat, den die Jungkönigin später gründet.

    Wer der Gartenhummel allgemein helfen möchte, kann schon mit einfachen Mitteln viel bewirken. Weil sie bei ihrer Blütenwahl nicht besonders wählerisch ist, lässt sie sich hervorragend durch ein vielfältiges, heimisches Blütenangebot im Garten oder auf dem Balkon fördern. Besonders hilfreich sind Pflanzen, die vom Frühjahr bis in den Herbst hinein blühen – so ist die Hummel während ihrer gesamten Flugzeit versorgt. Auch spezielle Hummelnistkästen werden von dieser Art gerne angenommen, vor allem an geschützten, schattigen Stellen. Wer außerdem auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet und der Natur im eigenen Garten ein bisschen mehr „wilde Ecken“ zugesteht – etwa mit Klee, Taubnesseln oder anderen heimischen Wildstauden – leistet einen wertvollen Beitrag zum Erhalt dieser friedlichen und nützlichen Bestäuberin.

    © Wildbienen