Vegetationskartierung der Berliner Projektflächen

Neben der Anlage und Pflege bestäuberfreundlicher Flächen ist ein ganz wesentlicher Bestandteil unserer Projekte zu überprüfen, ob die getätigten Maßnahmen wirkungsvoll sind und den erhofften Erfolg bringen.

Aus diesem Grund haben wir in Berlin im April 2020 damit begonnen, Vegetationskartierungen auf einigen unserer Projektflächen durchzuführen. Durch diese Untersuchungen wollen wir ermitteln, in welchem Maße durch die Entwicklung von Wildblumenwiesen im urbanen Raum das Blütenangebot für Wildbienen und andere Bestäuber erweitert werden kann.

  • Kartierung der Projektflächen in der Altonaer Straße im Bezirk Mitte. Artenschutzreferentin Stella Weweler erfasst die Anzahl der Blüten im Untersuchungsabschnitt.

  • Kartierung der Projektfläche in der Otto-Suhr-Allee im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Artenschutzreferent Tom Bluth nimmt die Anzahl der Blüten im Untersuchungsabschnitt auf.

  • Kartierung der Projektfläche in der Forckenbeckstraße im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf. Im Hintergrund bestimmt Artenschutzreferentin Stella Weweler die Pflanzenarten im Untersuchungsabschnitt und nimmt die Anzahl der Blüten auf.

  • Kartierung der Projektfläche im Spreebogenpark im Bezirk Mitte. Im Hintergrund erfasst Artenschutzreferent Tom Bluth die Anzahl der Blüten im Untersuchungsabschnitt.

Und so gehen wir dabei vor

Die Erfassung erfolgt im monatlichen Rhythmus und wird jeweils zur Mitte des Monats durchgeführt. Insgesamt wird die Erfassung von April bis Oktober sieben Mal pro Jahr erfolgen. Im Oktober 2022 wird die vegetationskundliche Erfassung das letzte Mal durchgeführt.

Auf den ausgewählten Projektflächen werden je drei Untersuchungsflächen in einer Größe von zwei mal zwei Meter abgesteckt, so dass sie über den gesamten Untersuchungszeitraum erkennbar sind. Die Untersuchungsflächen wurden so gewählt, dass innerhalb des abgegrenzten Raumes unterschiedliche Entwicklungszustände der Wildblumenwiesen dargestellt werden können.

Auf den abgegrenzten Untersuchungsflächen erfolgt eine quantitative Erfassung des aktuellen Blütenspektrums. Das bedeutet, dass alle Blüten, die zum Zeitpunkt der Aufnahme geöffnet sind, aufgenommen werden. Alle Blüheinheiten (Einzelblüte bzw. Gesamtblütenstand wie z. B. Körbe, Dolden, Köpfchen) jeweils einer Pflanzenart bis 20 Stück werden genau gezählt. Ab einer Menge von 20 Blüten werden die Blüheinheiten in Zehn-Einheiten-Schritten geschätzt. Zusätzlich zur quantitativen Erfassung auf den Untersuchungsflächen erfolgt auf dem Rest der Wildblumenwiese eine qualitative Erfassung des Blühspektrums. Bei dieser werden die blühenden Arten erfasst, die nicht in der Untersuchungsfläche vorzufinden waren. Bei der qualitativen Erfassung wird nur der Artname vermerkt, aber keine Aussage zur Menge der Blüten getroffen.

Um möglichst viele Erkenntnisse über verschiedene Arten der Etablierung einer wildbienenfreundlichen Wildblumenwiese im urbanen Raum zu erlangen, wurden Projektflächen für die Kartierung ausgewählt, die mit unterschiedlichen Methoden und in unterschiedlichen Zeiträumen von uns angelegt wurden. Die nachfolgende Tabelle zeigt, welche methodischen Varianten wir bei der Anlage unserer Wildblumenwiesen angewandt haben.

Die angewandten Methoden der Flächenanlage
SaatgutZeitpunkt FlächenanlageArt der Boden-
vorbereitung
Pflege 1. JahrPflege 2. Jahr
Variante 12g/qm mehrjährige Zielarten + 1g/qm einjährige AkzeptanzartenFrühjahrFräsen1-3 Schröpfschnitte (nach Bedarf)Einmalige Staffelmahd
Variante 22g/qm mehrjährige Zielarten + 1g/qm einjährige AkzeptanzartenHerbstFräsen1-3 Schröpfschnitte (nach Bedarf)Einmalige Staffelmahd
Variante 32g/qm mehrjährige Zielarten + 1,5g/qm einjährige konkurrenzstarke DeckfruchtartenFrühjahrFräsenkeineEinmalige Staffelmahd
Variante 42g/qm mehrjährige Zielarten + 1,5g/qm einjährige konkurrenzstarke DeckfruchtartenFrühjahrAbplaggenkeineEinmalige Staffelmahd

Zielarten, Akzeptanzarten und Deckfrüchte?

Bei den Zielarten handelt es sich um eine Saatgutmischung aus circa 40 Wildkräutern, die fast sämtliche wichtige Pollen- und Nektarquellen für Wildbienen enthalten und somit auf die Bedürfnisse dieser optimiert sind. Gleichzeitig bieten sie jedoch auch sehr vielen anderen Insektenarten wie Schmetterlingen, Käfern, Fliegen oder Wespen Nahrung.

Sogenannte Akzeptanzarten werden hinzugegeben, da die meisten Zielarten im Etablierungsjahr nicht zur Blüte gelangen. Die Akzeptanzarten sind einjährige Kulturarten, die bereits im ersten Jahr einen farbenfrohen Blühaspekt erzeugen und den Wildbienen bereits eine Nahrungsquelle bieten. Im zweiten Jahr verschwinden die Akzeptanzarten wieder.

Deckfrüchte sind ebenfalls einjährige Pflanzenarten, die besonders konkurrenzstark sind und den offenen Boden der Fläche schnell schließen. Da die Zielarten im ersten Jahr nur ein Rosettenstadium am Boden ausbilden, sollen die Deckfrüchte verhindern, dass andere konkurrenzstarke Pflanzenarten in der Fläche anwachsen und die Zielarten verdrängen. Durch einen Pflegeschnitt im Herbst werden die Deckfrüchte zurückgedrängt und die Zielarten können sich im zweiten Jahr voll entwickeln.

Das Ergebnis

Durch die Kombination beider Erfassungsmethoden (quantitativ und qualitativ) können wir feststellen, wieviel Nahrungsangebot den Wildbienen auf den einzelnen Flächen zur Verfügung steht und ob sich die Pflanzenarten durchsetzen, die wir durch unsere Saatenmischung vorgesehen haben. Im zweiten Schritt ermöglichen es uns diese Informationen, unsere eingesetzten Methoden zu evaluieren und eine generelle Aussage zum Potential von Wildbienenschutz in urbanen Räumen treffen zu können.