Friedhöfe sind in dicht bebauten Städten meist der letzte Rückzugsort für zahlreiche Wildtiere. Gleichzeitig bieten sie uns Menschen eine wichtige Erholungsfunktion. In Hamburg erproben wir seit 2015 zusammen mit dem Ohlsdorfer Friedhof verschiedene Maßnahmen zur Förderung der Wildbienen. Mit knapp über 400 Hektar Fläche ist er der weltgrößte Parkfriedhof und wird wegen seines Strukturreichtums sowie des üppigen Baum- und Pflanzenbewuchses als eine der „Grünen Lungen“ der Großstadt Hamburg bezeichnet. In der über 120-jährigen Geschichte wurde der Großteil der Fläche intensiv gepflegt und unter ästhetischen Gesichtspunkten gestaltet, die naturnahen Strukturen wenig Raum ließen. Mitte der 1990er Jahre wurden jedoch erstmals extensiv gepflegte Ökoflächen ausgewiesen.

Momentan finden sich Friedhofsverwaltungen vor demselben Problem: der Trend der Bestattungen geht von der Bestattung im Grab hin zu günstigen, pflegeleichten und flächensparenden Alternativen. Die nun vermehrt vorhandenen Freiflächen müssen jedoch weiterhin – meist kostenintensiv – von den Friedhofsgärtnereien gepflegt werden. Dabei können die Freiflächen, je nach Lage, gute Voraussetzungen für die Förderung von Wildbienen und anderer Insekten – wie Tagfalter –  bieten. Vor allem großflächige Vorhalteflächen, die für Katastrophenfälle bereit gehalten werden müssen, bieten in den meisten Fällen perfekte Bedingungen.

Im Rahmen unserer Wildbienenprojekte treten wir mit den Friedhofsverwaltungen in Hamburg, Berlin und München in Kontakt und versuchen bei gemeinsamen Begehungen geeignete Flächen zu identifizieren. Das können recht kleinteilige besonnte Bereiche sein oder aber auch große Zierrasenflächen.

Gemeinsam mit dem Ohlsdorfer Friedhof haben wir bereits eine Reihe von Maßnahmen durchgeführt, um das große Parkgelände ökologisch aufzuwerten. Dazu gehört neben der Entwicklung angepasster regionaler Wildblumenflächen auch die Förderung und Anlage Niststrukturen: Dazu gehören Totholz, offensandiger Boden, Abbruchkanten, Steilwände und Böschungen. Außerdem ist der Ohlsdorfer Friedhof ein beliebter Ort für unsere Informationsveranstaltungen.

Wildbienenboulevard

2017 haben wir auf ca. 5.000 Quadratmetern Saatgut ausgebracht und Niststrukturen geschaffen. Inzwischen hat sich die riesige Wildblumenfläche gut entwickeln und lockt als „Wildbienenboulevard“ sowohl Wildbienen als auch Naturliebhaber an. Die Fläche ist zentral an der Mittelallee gelegen.

Rosengarten

Im Rosengarten wurde zusammen mit jungen Erwachsenen, die auf dem Ohlsdorfer Friedhof ein „Freiwilliges Ökologisches Jahr“ leisten eine zusätzliche Station auf dem Naturlehrpfad erarbeitet. Hier können sich Besucher über die Lebensweise von Wildbienen informieren und gleichzeitig viele Wildbienen bei ihren Sammelflügen an einer kleinen Wildblumenwiese beobachten. Die Fläche wurde 2015 angelegt und blüht seitdem sehr abwechslungsreich.

Lärchenallee

Seit 2016 wird die Lärchenallee auf knapp 1.000 Meter Länge von Wildblumenstreifen gesäumt. Obwohl wir hier mit einem starken Durchwuchs von Sauerampfer sowie vielen hungrigen Graugänsen zu kämpfen hatten, finden Wildbienen und andere Insekten hier auf ca. 4.000 Quadratmetern ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot.

Kapelle 11

Im Nordosten des Friedhofs, gegenüber der Kapelle 11, haben wir im März 2016 zusammen mit den Friedhofsgärtnereien auf ca. 1.500 Quadratmetern eine Wildblumenwiese angelegt. Nachdem sich durch Baumfällarbeiten die Lichtverhältnisse auf der Fläche veränderten, haben wir 2019 weitere Wildstauden gepflanzt.

Auch für 2021 haben wir weitere Maßnahmen geplant.