Im Umfeld von vier repräsentativen Haltestellen des Hamburger Verkehrsverbunds (U-Bahnhof Burgstraße, U- und S-Bahn-Station Ohlsdorf, U-Bahnhof Schlump sowie die U- und S-Bahn-Haltestelle Sternschanze) wurden ab 2020 für Insekten Nahrungs- und Nistangebote geschaffen. Im Lauf des Projekts kamen Flächen an weiteren Haltestellen dazu (Billstedt, Hagenbecks Tierpark und Mittlerer Landweg). Diese Flächen können Wildbienen als „Trittstein“ auf dem Weg zu weiteren Nahrungsflächen dienen und leisten einen Beitrag zum Biotopverbund.

Das gemeinsame Pilotprojekt wird von der Deutschen Wildtier Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Verkehrsverbund durchgeführt und finanziert.

HALTESTELLENUMFELDER ALS LEBENSRAUM FÜR WILDBIENEN

Haltestellenumfelder sind wichtige städtische Räume, die sowohl durch Funktionalität als auch ansprechende Gestaltung zu einer Visitenkarte für den ÖPNV und die Stadtteile werden können. Das Haltestellenumfeld erhält zunehmende Bedeutung als Ort für vernetzte Mobilität: es ist Knotenpunkt unterschiedlicher Verkehrsmittel, Wartebereich und zentraler Treffpunkt für ÖNPV-Nutzer und Passanten. Eine Aufgabe der Haltestellenumfeld-Koordination des Hamburger Verkehrsverbunds ist die Verbesserung der Gestaltung von Haltestellen zur Steigerung der Aufenthaltsqualität. Dabei spielen bisher kaum  beachtete Grünflächen eine zentrale Rolle. Die gemeinsame Idee von hvv und Deutscher Wildtier Stiftung, diese oft unansehnlichen Flächen in artenreichen Blühflächen zu verwandeln, kann Haltestellenumfelder sowohl ästhetisch als auch ökologisch deutlich aufwerten.

Die Ziele des Projekts sind es,

  • die Aufenthaltsqualität für die Menschen in den Haltestellenumfeldern zu verbessern,
  • die Grünflächen mit Rast-, Nist- und Futterangeboten für Wildbienen und andere Insekten
    aufzuwerten und den Biotopverbund zu stärken,
  • über Wildbienen und das Pilotprojekt zu informieren (Angebot der Umweltpädagogik)
  • und einen Beitrag zur Verbesserung des Mikroklimas zu leisten.

Über einen Zeitraum von drei Jahren wurden an vier Schnellbahnhaltestellen (Burgstraße, Ohlsdorf, Schlump und Sternschanze) Erfahrungen gesammelt, ob sich das Vorgehen in diesen Begleitgrünflächen für eine Fortsetzung an weiteren Haltestellen in Hamburg eignet.

Im Jahr 2021 kamen zwei weitere wildbienenfreundlich umgestaltete Haltestellenumfelder dazu. Den Anfang machte eine neue, etwa 600 Quadratmeter große Fläche am S- und U-Bahnhof Billstedt. Bereits im Juni blühte hier ein farbenprächtiger Schmetterlings- und Wildbienensaum. Hierfür danken wir dem Verfügungsfond Billstedt, dem Einkaufszentrum Billstedt und dem Bezirksamt Mitte für die Unterstützung. Zwei weitere Flächen an der Haltestelle Hagenbecks Tierpark wurden 2021 wildbienenfreundlich umgestaltet und werten die Umgebung für Insekten ökologisch und für wartende Fahrgäste ästhetisch auf. Das Anlegen dieser Fläche wurde durch die Initiative eines Bürgers möglich, der sich in der Zukunftswerkstatt-Lokstedt engagiert. Der hvv konnte bei der Vermittlung von Kontakten helfen, die Deutsche Wildtier Stiftung unterstützte materiell durch das Bereitstellen von Wildstauden und Aufstellung von zwei Informationstafeln.

Auch im Jahr 2022 wurde das Projekt um eine weitere umgestaltete Fläche ergänzt. Der Buswendeplatz am Mittleren Landweg wurde in einer Kooperation mit der Loki Schmidt Stiftung und der Lawaetz-Stiftung vom hvv und der Deutschen Wildtier Stiftung in ein Wildbienenparadies umgewandelt. Die neu gestalteten Flächen sind ein großer Gewinn und fügen sich gut in das Gesamtprojekt „Blühende Haltestellen“ ein.

MASSNAHMEN ZUR FÖRDERUNG VON WILDBIENEN

Ziel ist es, praxistaugliche Maßnahmen zur Aufwertung urbaner Grünflächen umzusetzen und damit beispielhaft zu zeigen wie schön Artenschutz in Hamburg aussehen kann. Das Konzept berücksichtigt hierbei auch spezielle innerstädtische Einflüsse, wie z.B. Versalzung, denen insbesondere die Verkehrsflächen ausgesetzt sind. Grundsätzlich gilt die Maßgabe, gebietsheimische und standörtlich angepasste Pflanzenarten zu verwenden, die nachweislich von Wildbienen gut als Futterpflanzen angenommen werden. Die Maßnahmen werden unter Berücksichtigung der Bestandssituation (Vegetation, Nutzung, Standortbedingungen etc.) individuell für jede Fläche konzipiert.

Die Grünflächen in Haltestellenumfeldern bieten ein hohes Aufwertungspotential und lassen sich mit zahlreichen Maßnahmen für bestäubende Insekten, hier sind vor allem die Wildbienen im Fokus, aufwerten. Dabei lassen sich die Maßnahmen in zwei Bereiche unterteilen:

  1. Förderung des Blütenangebotes
  2. Förderung der Nistmöglichkeiten.

Die Maßnahmen zur Förderung des Blütenangebotes unterscheiden sich von Ort zu Ort. Insbesondere die Lage und die Größe der Fläche wurden bei der Planung beachtet. Sonnige Flächen, wie die östliche Seite der Fläche an der Sternschanze, eignen sich besonders gut für das Anlegen von artenreichen Blühwiesen. Die verschiedenen Wildpflanzen blühen zu unterschiedliche Zeiten im Jahr. Damit finden Wildbienen über einen langen Zeitraum Nahrung und die Fläche bietet dem Betrachter vom Frühjahr bis in den Herbst einen farbenfrohen Anblick. Blühflächen müssen nur einmal jährlich gemäht werden und sind damit sehr einfach und kostengünstig zu pflegen. Wildstauden sind generell sehr robust und können bereits nach einem Jahr ein üppiges Blütenangebot entwickeln. In schattigen Bereichen, wie unter dem Baumbestand an der Sternschanze, wurden schattenverträgliche und trotzdem insektenfreundliche Stauden ausgewählt.

Bei der Förderung von Nistmöglichkeiten eignet sich an öffentlichen Bereichen das Aufstellen einer großen Wildbienennisthilfe sowie natürlichen Niststrukturen. Kombiniert mit einer Infotafel, wird dieses Modul zu einem informativen Publikumsmagnet.

DU MÖCHTEST MIT ANPACKEN UND ETWAS SINNVOLLES FÜR UNSERE HEIMISCHEN WILDBIENEN TUN?

Dann mach mit bei der ehrenamtlichen Gruppe des HVV, die sich um die Wildblumenwiesen an den Haltestellenumfeldern kümmert. Egal, ob Setzlinge pflanzen oder Müll sammeln. Du sorgst dafür, dass die Wildblumenwiesen für die Wildbienen attraktiv bleiben und ihnen immer genügend Nahrungspflanzen zur Verfügung stehen. Wenn du interessiert bist oder weitere Infos benötigst, wende dich an Dirk Carstensen vom HVV.