Was sind Wildbienen?

Wildbienen in Deutschland

In Deutschland leben etwa 600 Wildbienenarten. Die meisten davon besiedeln trockenwarme und offene Lebensräume. Um sich dort fortpflanzen zu können, benötigen sie eine große Strukturvielfalt, die aus Hecken, Altholz, offenen Rohbodenflächen und einem reichhaltigen Angebot blühender Pflanzen bestehen muss. Nur so können Wildbienen ihre hohen Ansprüche an den Lebensraum erfüllen.

In Städten eröffnen Gärten und öffentliche Parkanlagen, Friedhöfe und Brachflächen große Chancen für Wildbienen, sofern sie reichhaltig gegliedert sind und einheimische Pflanzenarten beherbergen. Daher finden sich gerade in Städten zahlreiche Wildbienenarten, darunter viele bedrohte oder hoch anspruchsvolle Arten.

Wildbienen sind in Deutschland stark gefährdet. Etwa die Hälfte aller Arten steht auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten, einige Arten sind bereits ausgestorben oder unmittelbar vom Aussterben bedroht. Wildbienenschutz ist daher ein wichtiges öffentliches Thema.

Wildbienen sind gesetzlich geschützt und dürfen nicht gefangen oder beeinträchtigt werden.

Einen informativen Steckbrief über die Wildbienen finden Sie hier.

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Wildbienenarten sind bisher in Deutschland nachgewiesen!

Schon gewusst?

Die Honigbiene ist mit den Wildbienen verwandt. Allerdings handelt es sich bei ihr um eine vollständig domestizierte Art mit einer mehrjährigen und sozialen Lebensweise im Bienenstock. Ihre wilde Stammform ist in Europa vermutlich ausgestorben.

Wildbienen erkennen

Die meisten Wildbienenarten lassen sich leicht an ihrer pelzigen Behaarung erkennen. Die Weibchen besitzen zudem an den Hinterbeinen oder unter dem Bauch spezielle Haare, an denen sie Pollen transportieren. Bei genauer Betrachtung sind oftmals die gefüllten Pollenhöschen der Tiere zu erkennen. Auch die etwa 40 Hummelarten in Deutschland gehören zu den Wildbienen.

Neben den pelzigen Vertretern der Wildbienen gibt es eine Reihe von Arten, die keine Haare tragen. Viele von ihnen, besonders die Kuckucksbienen, sind auffällig gelbschwarz oder rotschwarz gefärbt. Sie können leicht mit verschiedenen Wespenarten verwechselt werden. Auch die Maskenbienen, schwarze und unauffällige Arten mit oftmals weniger als einem Zentimeter Körperlänge, werden häufig eher für eine Wespe als für eine Wildbiene gehalten. Die kleinste deutsche Biene, die Steppenbiene, misst nur vier Millimeter Körperlänge. Sie kommt nur noch auf wenigen Sandstandorten in der Oberrheinebene vor.

Die nächsten Verwandten der Bienen sind die Grabwespen, die Faltenwespen und die Wegwespen. Zusammen mit den Bienen werden sie und andere Insektenfamilien in der Gruppe der Stechimmen (das sind Arten, deren Weibchen einen Wehrstachel besitzen) in der Insektenordnung der Hautflügler zusammengefasst.

  • Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae)

    Diese auffällige Bienenart wurde zur Biene des Jahres 2018 gewählt. Sie kam ursprünglich nur in Südwestdeutschland vor und breitet sich durch den Klimawandel derzeit nach Norden aus. Sie hat inzwischen Norddeutschland erreicht. Die Biene nistet im Boden und sammelt Pollen an vielen verschiedenen Pflanzenarten.

  • Steinhummel (Bombus lapidarius)

    Die Steinhummel lebt wie die meisten anderen Hummelarten auch in Kolonien und nistet in oberirdischen Hohlräumen. Die Art ist weit verbreitet und im Siedlungsbereich sehr häufig. Dort ist sie unverwechselbar, während es im Freiland noch weitere Arten mit roter Hinterleibspitze gibt.

  • Garten Wollbiene (Anthidium manicatum)

    Die Wollbiene nistet in oberirdischen Hohlräumen, die mit Pflanzenfasern ausgekleidet werden. Die Männchen betreiben dabei ein sehr auffälliges Revierverhalten. Sie bewachen ihre Futterpflanzen aus der Luft und lassen nur Weibchen der eigenen Art zu. Andere Blütenbesucher, auch Honigbienen, werden attackiert und vertrieben.

  • Fuchsrote Sandbiene (Andrena fulva)

    Die Fuchsrote Sandbiene ist eine häufige Art in Gärten und vielen anderen Lebensräumen. Sie ist durch ihre dichte rote Behaarung unverwechselbar. Die Art ist oft an blühender Johannisbeere zu finden. Sie gräbt ihre Nester in den Boden und legt dort Brutzellen an, in denen sich die Bienenlarve entwickelt.

Schon gewusst?

Die meisten Wildbienenarten können einen Menschen nicht stechen, weil ihr Stachel viel zu fein ist, um unsere Haut zu durchdringen. Zudem ist von keiner Wildbienenart aggressives Verhalten bekannt, da die Arten ihre Nester nicht verteidigen. Das Weibchen einer Wildbiene – nur die weiblichen Tiere besitzen einen Wehrstachel – würde daher nur dann stechen, wenn man das Tier in die Hand nimmt. Doch selbst, wenn das Tier die Haut durchdringen kann, ist der Stich kaum spürbar. Eine Ausnahme davon machen lediglich Hummeln, doch auch ihr Stich hat längst nicht die Wirkung des Stichs einer Honigbiene.

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Hummelarten sind in Deutschland bekannt!

Lebensweise

Die überwiegende Zahl der Wildbienenarten lebt solitär. Das heißt, sie leben als Einzelgängerinnen (und nicht etwa in einem Bienenstock, wie die Honigbiene). Die Arten überwintern als Larve oder Puppe und schlüpfen im Frühjahr oder Sommer. Nach der Paarung beginnen die Weibchen im Boden oder in einem oberirdischen Hohlraum, ein Nest mit verschiedenen Brutzellen anzulegen. In jede Zelle füllen sie Pollen und Nektar, legen ein Ei dazu und verschließen die Zelle sowie später das gesamte Nest. Dann überlassen sie die Larven sich selbst.

Die Hummeln und wenige Arten der Furchenbienen bilden einjährige Völker mit einer Königin aus. Bei diesen sozial lebenden Wildbienenarten überwintert eine befruchtete Königin und gründet im Frühjahr ein Nest. Hier zieht sie zuerst Arbeiterinnen groß, die ihr beim Sammeln von Larvennahrung und beim Nestbau helfen. Später im Jahr produziert sie dann Männchen und befruchtungsfähige Weibchen, die Jungköniginnen. Diese verlassen das Nest, paaren sich und die Königinnen überwintern. Im folgenden Jahr beginnen sie den Zyklus von Neuem. Das alte Nest mit der alten Königin stirbt im Herbst ab.

Ein Wildbienenweibchen ist pro Saison durchschnittlich drei bis sechs Wochen aktiv. Jede Art besitzt dabei eine individuelle Flugzeit. Die ersten Bienen erscheinen je nach Witterung mit der Blüte der Saalweiden ab März, die letzten Arten fliegen noch im September.
Die sozialen Arten benötigen die gesamte Vegetationsperiode, um Nachkommen zu erzeugen.

Ein Blick in das Nest der Roten Mauerbiene

Als Einzelgänger bauen Wildbienenweibchen ihre Nester bis auf wenige Ausnahmen jedes für sich. Ein Weibchen kann unter günstigen Bedingungen etwa 30 Eier legen. Sie werden im Nest säuberlich durch Wände aus Lehm und Speichel voneinander getrennt abgelegt. Immer ein stiftförmiges Ei pro Brutzelle. Jedes Ei wird mit einem Brei aus Pollen und Nektar versorgt. Die erste und die letzte Brutzelle bleiben leer. Sie dienen als Puffer gegen Plünderer wie Vögel. Weil die Bienen entscheiden können, ob sie befruchtete oder unbefruchtete Eier legen, können sie über das Geschlecht des Eies entscheiden. Beim Bau werden zunächst befruchtete weibliche Eier gelegt, danach männliche. Entsprechend schlüpfen im Frühjahr die Männchen zuerst und warten direkt am Nest auf die Weibchen. Nach der Paarung beginnen die Weibchen dann mit dem Nestbau. Nach nur wenigen Wochen ist ihr kurzes Wildbienenleben zu Ende. Die Eier entwickeln sich im Nest zur Larve und dann zur Puppe mit Kokon, bis sie im nächsten Frühjahr schlüpfen.


Kuckucksbienen

Etwa 30 Prozent aller Wildbienenarten leben brutparasitisch. Gleich einem Kuckuck schleicht sich das Parasitenweibchen in ein fremdes Wildbienennest und legt sein Ei auf den Pollen, bevor die Wirtsbiene das Nest verschließt. Die Kuckuckslarve frisst den Pollenvorrat auf und schlüpft im Folgejahr anstelle der Wirtslarve. Letztere verhungert.

Alle Kuckucksarten sind hoch spezialisiert und parasitieren meist nur wenige oder nur eine einzige Wirtsbienenart. Bei den sozialparasitischen Hummelarten übernimmt die Kuckuckshummel ein Hummelnest, indem sie die alte Königin tötet oder mittels spezieller Duftstoffe dominiert. Sie erzeugt keine Arbeiterinnen, sondern nur Geschlechtstiere, die von den Arbeiterinnen der Wirtsart großgezogen werden.

Wildbienen mit Brutpflege
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Parasitäre Wildbienen
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Nistansprüche

Bei ihrer Nistplatzwahl sind Wildbienen hoch spezialisiert. Viele Arten graben ihre Nester in den Boden und bevorzugen dabei je nach Art unterschiedliche Habitate wie offene Bodenstellen, dichte Grasnarbe, Steilwände, verdichtete Bodenstellen oder lockere Sande.
Ein anderer Teil der Arten nistet oberirdisch in hohlen Stängeln, alten Käferbohrlöchern in Alt- und Totholz oder in selbst genagten Gängen in morschem Holz. Wieder andere Arten nisten in leeren Schneckenhäusern oder mörteln ihre Nester wie die Harzbienen aus Harz oder die Mauerbienen aus Lehm.
Alle Nistplätze, sowohl der unterirdisch als auch der oberirdisch nistenden Arten, müssen besonnt sein, weil sich die Larven nur bei genügend hohen Temperaturen entwickeln können.

Nisten im Erdboden
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Nisten in bestehenden Hohlräumen und Stängeln
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Nagt sich selbst Löcher in Totholz
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Baut Freinester aus Harz oder Mörtel
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Nahrungsansprüche

Die Wildbienen – mit Ausnahme der Brutparasiten – tragen Pollen und Nektar als Larvennahrung in ihre Nester ein. Etwa 30 Prozent aller in Deutschland vorkommenden Arten sind für den Polleneintrag auf eine oder wenige Pflanzenfamilien, -gattungen oder sogar nur auf eine einzige Pflanzenart spezialisiert.
Diese Bienenarten werden „oligolektische Arten“ genannt. Ohne ihre spezifische Pollenquelle können sich die Arten nicht entwickeln.
Neben der Pflanzenart ist auch die Anzahl entscheidend für den Fortpflanzungserfolg. Eine Biene benötigt manchmal Pollen von mehreren hundert oder gar tausend Einzelblüten, um eine einzige Brutzelle mit ausreichend Nahrung zu versorgen.
Zur Eigenversorgung mit Nektar können die erwachsenen Bienen auch andere Pflanzenarten nutzen. Besonders Bienenmännchen oder auch die Kuckucksbienen trifft man daher auf vielen verschiedenen Pflanzen an.

Flugkalender

Wildbienen haben sehr spezielle Anforderungen an ihren Lebensraum. Nur wer genau hinschaut und hinhört, findet die Bestäuber! Zum Beispiel in Gärten, die noch eine große Strukturvielfalt aufzeigen. Mit welchen Maßnahmen Sie bestimmte Wildbienenarten bei sich fördern können und in welchem Zeitraum sich die fleißigen Bestäuber in Ihrem Garten beobachten lassen, erfahren Sie in unserem Flugkalender:

Rote Liste der Wildbienen

Warum Hamburg?

Die Deutsche Wildtier Stiftung erstellt derzeit die erste Rote Liste der Wildbienen und Wespen von Hamburg. Das 2016 gestartete Projekt wird von dem Wildbienenexperten Dr. Christian Schmid-Egger betreut und in Zusammenarbeit mit verschiedenen Projektpartnern, vor allem vom Zoologischen Institut sowie dem Centrum für Naturkunde der Universität Hamburg, durchgeführt.

Was ist eine Rote Liste?

Rote Listen geben Auskünfte darüber, ob Arten in ihrem Bestand gefährdet sind. Damit stellen sie ein Instrument für den Naturschutz und die Landschaftsplanung dar, um Artenvorkommen und damit auch Biotope bewerten zu können. Dies dient zur Grundlage von Biotop- und  Artenschutzmaßnahmen.

Für Hamburg fehlt eine systematische Bestandsaufnahme und Rote Liste der Wildbienen. Für die umliegenden Bundesländer sowie für zahlreiche weitere Bundesländer in Deutschland liegen Rote Listen vor. Daten aus den benachbarten Bundesländern Schleswig-Holstein und Niedersachsen sind für die Bewertung von Wildbienenvorkommen in Hamburg nur bedingt verwendbar, weil Hamburg überwiegend städtische Habitate besitzt. Deren Artenzusammensetzung weicht von der Wildbienenfauna der benachbarten Flächenstaaten stark ab.

Warum Wildbienen?

Die Wildbienen sind eine wichtige Zeiger- und Zielgruppe für landschaftsökologische Bewertungen, Eingriffsplanungen und andere naturschutzfachliche Fragestellungen. Dafür sind sie aus den folgenden Gründen in besonderer Weise geeignet:

  •  Wildbienen besitzen sehr plastische und gut beschreibbare Ansprüche an ihren Lebensraum. Ihre Larven versorgen sie mit Nektar und Pollen von blühenden Pflanzen und sind hierbei teilweise in der Wahl ihrer Nahrungspflanzen hoch spezialisiert. Sie werden auch als oligolektische Arten bezeichnet. Arten die bei der Wahl der Nahrungspflanzen nicht spezialisiert sind (z. B. die Honigbiene oder viele Hummelarten) nennt man polylektische Arten. Auch hinsichtlich ihres Nisthabitats sind Wildbienen sehr wählerisch. Manche Arten nisten in der Erde (endogäisch), andere oberirdisch (hypergäisch) in Alt- oder Totholz, in abgestorbenen Pflanzenstängeln etc. Diese hohen Ansprüche machen die Bienen sehr wertvoll, um auch kurzfristige Änderungen in der Landschaft darzustellen. Wird ihr Vorkommen erfasst und dokumentiert, können bei landschaftsökologischen Bewertungen, Eingriffsplanungen und Naturschutz-Fragen die richtigen Entscheidungen getroffen werden.
  • Wildbienen sind gut erforscht. Die Ökologie und Verbreitung der Arten in Deutschland ist in der Literatur sehr gut dokumentiert.
  • In der Landschaftsplanung besteht eine langjährige und fundierte Erfahrung mit Wildbienen.
  • Außerdem sind die Bienen eine wichtige Bestäubergruppe für zahlreiche landwirtschaftliche Nutzpflanzen, insbesondere für Sonderkulturen. Ein weiterer Vorteil ist ihr positives Image. Damit können sie sehr gut Ziele des Naturschutzes in die Öffentlichkeit transportieren.
  • 2016

     

    Kartierung

  • 2017

    Kartierung

     

    2017

  • 2018

     

    Kartierung

  • 2019

    Kartierung

     

    2019

  • 2020

     

    Auswertung der Daten

  • 2021

    Veröffentlichung der Roten Liste

     

    2021

Warum werden auch die Wespen mit erfasst?

Die Wespen gehören wie die Wildbienen zu den Stechimmen. Sie eignen sich hervorragend, um in der Landschaftsplanung ergänzende Aussagen zu den Wildbienen zu treffen. Wenn wir von Wespen sprechen, denken wir meist an die sozialen Faltenwespen. Hier sind besonders die Deutsche Wespe und die Gewöhnliche Wespe (Vespula germanica und Vespula vulgaris) als Kuchenräuber und Konkurrenten am Grill gut bekannt. Auch die Hornisse, Deutschlands größte Faltenwespe, kennen viele Menschen. Neben den sozialen Faltenwespen gibt es die sehr viel artenreichere Gruppe der solitären Wespen. Viele dieser Arten tragen Schmetterlings-, Käfer- und Blattwespenlarven als Nahrung für ihren Nachwuchs ein. Sie besiedeln alle möglichen Lebensräume und nisten sowohl im Boden als auch oberirdisch. Manche Arten bauen sogar Mörtelnester. Sie leben sehr versteckt und treffen mit Menschen äußerst selten zusammen. Wie die Wildbienen sind sie vor allem auf offene und warme Lebensräume angewiesen und treten artenreich z. B. in Stadtbrachen auf. Zudem sind mehr Arten als bei den Bienen auf oberirdische Nistquellen (Totholz, Stängel) angewiesen. Damit ist eine deutlichere vergleichende Bewertung von Lebensräumen möglich.


Wie läuft die Untersuchung ab?

Die Untersuchungsflächen werden jeweils zwischen April und August in regelmäßigen Abständen (5 – 6 x) untersucht. Die Flächen müssen so häufig begangen werden, da viele solitäre Wildbienen arttypische Flugzeiten von nur wenigen Wochen haben. Das heißt, dass wir im Frühjahr andere Arten vorfinden als im Spätsommer. Da Wildbienen nur an trockenen und warmen Tagen aktiv sind, müssen die Begehungen immer sehr kurzfristig geplant und durchgeführt werden. Hauptwerkzeug der Biologen ist hierbei der Kescher mit denen die Bienen gefangen werden. Zusätzlich werden Fallen, wie die Malaisefalle (Zeltartige Falle zum Erfassen von Fluginsekten), eingesetzt. Wildbienen, die nicht sicher während der Begehung auf Ebene der Art bestimmt werden können, werden der Natur entnommen, um sie im Labor unter dem Binokular (ähnlich einer Lupe) zu präparieren und zu bestimmen. Da Wildbienen unter dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes stehen, wurde uns für das Vorhaben von der Umweltbehörde Hamburg eine Ausnahmegenehmigung für den Fang ausgestellt. Das Abtöten und die Präparation der Tiere sind erforderlich, weil die Unterscheidungsmerkmale vieler Wildbienenarten nur bei hoher Vergrößerung erkennbar sind. Bei einer Reihe von Tieren müssen auch die männlichen Genitalien heraus präpariert werden, anhand derer die Arten dann erkannt werden können. Nur etwa 20-30 % aller Arten lassen sich direkt im Gelände bestimmen.

Übersicht der bisher begangenen Untersuchungsflächen.

Wie viele Wildbienenarten konnten bislang nachgewiesen werden?

Die Erfassungen der Deutschen Wildtier Stiftung schließen zum Jahreswechsel 2019/2020 mit einem höchst erfreulichen Ergebnis ab. Bislang konnten 451 Stechimmenarten, darunter 236 Wildbienenarten und 215 Wespenarten, auf den Untersuchungsflächen nachgewiesen werden.

2017 war besonders der Fund folgender Arten bemerkenswert:

  • Furchenbienenart (Lasioglossum monstrificum)

Diese Furchenbienenart wurde erst vor wenigen Jahren beschrieben, bzw. von L. sexstrigatum abgetrennt. Sie gilt in Deutschland als sehr selten und konnte an insgesamt fünf Standorten im Hamburger Stadtgebiet nachgewiesen werden. Sie lebt auf sandigen Böden. Die Art war früher unter dem Namen L. sabulosum bekannt.

  • Holz–Blattschneiderbiene (Megachile ligniseca)

Die Holz–Blattschneiderbiene ist eine der herausragenden Bienenfunde der Untersuchung 2017. Die Art wurde auf dem Gelände des Golfplatzes Holm gefunden, der bereits zu Schleswig–Holstein gehört. Die Art dürfte jedoch auch im Hamburger Stadtgebiet vorkommen. Die bundesweit sehr seltene Art gilt im Norden als sehr selten (RL–SH R, RL–NI G). Die Art ist vor allem in lichten Wäldern sowie an Waldrändern verbreitet und benötigt stehendes Totholz mit Käferbohrlöchern zur Nestanlage. Die Wildbiene ist in Deutschland stark gefährdet (RL–D 2).

  • Heidekraut–Bienen
  • Heidekraut–Sandbiene (Andrena fuscipes)
  • Heidekraut–Seidenbiene (Colletes succinctus)
  • Heide–Filzbiene (Epeolus cruciger)
  • Heide–Wespenbiene (Nomada rufipes)

Im Hamburger Stadtgebiet kommen alle vier Bienenarten vor, die mit Heidekraut (Calluna und Erica) vergesellschaftet sind. Die Sandbiene und die Seidenbiene tragen Heide–Pollen als alleinige Larvennahrung ein, während die beiden anderen Arten jeweils brutparasitisch leben (die Wespenbiene bei der Sandbiene, die Filzbiene bei der Seidenbiene). Alle Arten sind ausschließlich in Sandgebieten mit ausreichend großen Calluna (=Heidekraut)– beständen zu finden. Sie sind in Deutschland bis in den Norden weit verbreitet, doch nirgends häufig. Gleiches gilt für das Untersuchungsgebiet, alle Arten wurden nur an wenigen Standorten nachgewiesen.

2018 war besonders der Fund folgender Arten bemerkenswert:

  • Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae)

Die Gelbbindige Furchenbiene ist eine wärmeliebende Bienenart, die aus dem Mittelmeerraum stammt und die in Deutschland ursprünglich nur in der baden-württembergischen Oberrheinebene vorkam. Seit Mitte der 1990er Jahre mit dem Beginn steigender Durchschnittstemperaturen erweiterte die Art stetig ihr Areal nach Norden und Osten. Bisher war sie nördlich bis zur Elbe in Sachsen-Anhalt sowie bis zum Niederrhein bekannt. Mit dem aktuellen Nachweis in Hamburg/Fischbecker Heide hat die Art einen weiteren Sprung nach Norden getan und kann damit in Kürze im gesamten norddeutschen Raum erwartet werden.

  • Wespenbiene (Nomada obscura)

Die Wespenbiene Nomada obscura ist eine sehr selten gefundene parasitische Wespenbiene, die bei der Sandbiene Andrena ruficrus parasitiert. Der aktuelle Fund stammt aus dem NSG Schnaakenmoor. Die Art stellt wurde in Norddeutschland letztmalig 1933 in Schleswig Holstein gefunden, der Nachweis dieser Art stellt daher einen Wiederfund dieser höchst bemerkenswerten Art dar.

  • Grabwespe (Mimumesa littoralis)

Von dieser extrem seltenen Art liegen nur wenige zerstreute Funde aus dem gesamten Bundesgebiet vor. Im norddeutschen Raum wurde die Art lediglich 1947 auf Amrum nachgewiesen. Sie kam in einer größeren Individuendichte in Hamburg-Altenwerder vor und belegt die Bedeutung wertvoller Bienen- und Wespen-Lebensräume für die Erhaltung der Artenvielfalt.

Wildbienen Thema 3

Wildbienen Thema 2

Das richtige Blütenangebot

Warum Blüten für Wildbienen?

Wildbienen nutzen ein großes Spektrum verschiedener blühender Pflanzen, um Pollen und Nektar für ihren Nachwuchs zu sammeln. Viele Arten sind dabei hoch spezialisiert und können nur eine oder wenige Pflanzenarten nutzen. Mit einer gezielten Auswahl von geeigneten Futterpflanzen kann man sehr viele spezialisierte (oligolektische) Wildbienenarten fördern. Bienenarten, die nicht auf bestimmte Pflanzen spezialisiert sind (polylektische Arten), nutzen die im Folgenden genannten Pflanzengruppen ebenfalls. Mit der hier zusammengestellten Auswahl geeigneter Trachtpflanzen für Wildbienen können Sie die  Lebensbedingungen für weit mehr als die Hälfte der in Deutschland verbreiteten Wildbienenarten verbessern.

Schon gewusst?

Die Mischung macht’s. Vor allem im Sommer wird das Blütenangebot in Gärten oft knapp. Sorgen Sie für ein langfristiges und vielfältiges Nahrungsangebot für alle Bienenarten!

Dazu sollten Sie Folgendes wissen:

  • Für Wildbienen ist die Herkunft ihrer spezifischen Futterpflanzenart zweitrangig. Ein Glockenblumenspezialist kann beispielsweise auch amerikanische oder ostasiatische Glockenblumenarten benutzen, die häufig in Gärten angepflanzt werden. Doch wenn Sie mit Ihrer Gartengestaltung zusätzlich die heimische Pflanzenwelt fördern wollen, sollten Sie einheimische Pflanzenarten bevorzugen.
  • Zuchtformen von Gartenpflanzen eignen sich dann als Pollen- und Nektarquelle, wenn deren Blüten für die Bienen zugänglich sind. Doch vielfach – insbesondere bei Astern, Dahlien oder Ringelblumen – sind die Blüten „gefüllt“ und die Nektardrüsen sind für die Bienen nicht mehr zugänglich. Solche Pflanzen sollten  Sie meiden, da sie nicht von heimischen Insekten genutzt werden können.
  • Gräser, Nadelgehölze und immergrüne Büsche und Sträucher, wie Bambus, Kirschlorbeer und andere, können von Wildbienen und vielen anderen heimischen Insekten ebenfalls nicht genutzt werden. Sie sollten diese Pflanzen in naturnahen Gärten ebenfalls vermeiden.

Welche Pflanzen kommen in Frage?

Für Wildbienen kommen viele einheimische Blütenpflanzen als Nektar- und Pollenquelle in Frage. Wir beschreiben hier wichtige Pflanzenfamilien oder -artengruppen, aus denen eine Auswahl für den eigenen Garten getroffen werden kann. Viele Pflanzen können als mehrjährige Stauden angepflanzt werden, andere eignen sich für die Ansaat in einjährigen Beeten oder sie wachsen in einer bunten Blumenwiese.

Alle Pflanzen auf einen Blick
Für einen guten Überblick können Sie sich an dieser Stelle durch uns zusammengestellte Artenlisten herunterladen. Einfach auf dem Handy oder ausgedruckt zum nächsten Besuch im Gartencenter mitnehmen!

Unsere Liste für wildbienenfreundliches Saatgut

Unsere Liste für wildbienenfreundliche Stauden

Unsere Liste für wildbienenfreundliche Gehölze

Unsere Liste für wildbienenfreundliche Flachdach-Begrünung

Korbblütler
Die Korbblütler spielen vor allem im Sommer eine sehr wichtige Rolle für Wildbienen. Löcherbienen, Hosenbienen und Seidenbienen sind häufige Besucher von Korbblütlern. Für sie gibt es eine sehr große Auswahl an möglichen Pflanzen, die für den Garten geeignet sind. Sie sollten Pflanzen mit kleinen Blüten sowie  Wildformen vorziehen, da diese besser von den Bienen genutzt werden können. Zuchtformen mit gefüllten Blütenköpfen sollten Sie meiden.

Mögliche Arten für den Naturgarten sind:


Schmetterlingsblütler
Schmetterlingsblütler sind wichtige Nahrungsquellen vor allem für Blattscheider- und Mauerbienen. Sie werden von zahlreichen Nahrungsspezialisten genutzt.

Im Garten können unter anderem die folgenden Arten gepflanzt werden:


Lippenblütler
Auch die Lippenblütler werden von vielen Bienen, darunter vielen Nahrungsspezialisten genutzt. Hier finden sich vor allem Pelzbienen, Wollbienen, die seltene Schlürfbiene und Hummeln. Unter den Lippenblütlern befinden sich viele alte Gewürz- und Heilpflanzen.

Beispiele sind:


Doldenblütler
Auch Doldenblütler ziehen sehr viele Wildbienenarten an. Zusätzlich bieten sie durch ihre offenliegenden Nektarien Nahrung für eine Fülle weiterer Insektenarten.

Für den Garten geeignete Arten sind zum Beispiel:


Glockenblumen
Glockenblumen dienen als Pollenquelle für eine Reihe hoch spezialisierter Bienenarten. In Gärten sind dies vor allem Scherenbienen, einige Sandbienenarten, die Glockenblumen-Sägehornbiene und in Süddeutschland auch Mauerbienenarten. Die Glockenblumenspezialisten unter den Wildbienen können praktisch alle Glockenblumenarten nutzen.

In Gärten finden sich oft:


Kreuzblütler
Kreuzblütler sind vor allem im Frühjahr wichtige Nahrungspflanzen für Wildbienen. Viele Arten sind Pionierpflanzen auf Rohböden. An Ackersenf wurden über 70 pollensammelnde Wildbienenarten nachgewiesen. Kreuzblütler können gefördert werden, indem man im Frühjahr offene Brachen bereitstellt.

Die folgenden Arten lassen sich zum Beispiel im Staudengarten kultivieren:


Blühkalender
Wildbienen zu schützen, bringt Spaß! Jedes Fleckchen duftendes Grün lockt die seltenen Gäste an. Was aber aussäen? Eine kleine Auswahl nektar- und pollenreicher Wildbienenpflanzen finden Sie in unserem Blühkalender !


Weitere wertvolle Wildbienenpflanzen!

Nachfolgend werden weitere wichtige Wildbienenpflanzen aufgelistet, die man ebenfalls gut im Garten pflanzen kann.

Beispiele sind:



Das Wildbienenhotel

Das Wildbienenhotel

Neben dem Anlegen natürlicher Nisthabitate kann auch ein „Wildbienenhotel“ im Garten für Nistmöglichkeiten sorgen. Diese Nisthilfen eignen sich hervorragend dazu, Wildbienen zu beobachten oder auch zu fotografieren. Für die Anlage von Wildbienenhotels finden sich im Internet zahlreiche Anregungen und Bauanleitungen. Daher möchten wir dieses Kapitel relativ kurz halten und vor allem auf häufig begangene Fehler beim Bau von  Wildbienenhotels eingehen. Wenn Sie diese beim Bau vermeiden, werden Sie schnell ein reges Bienenleben an Ihrem Bienenhotel verzeichnen.

  • Wildbienennisthilfe

    Die meisten Wildbienen, die in Hohlräumen nisten, bohren nicht selbst. Vielmehr beziehen sie bereits vorhandene Nistgänge, in denen sie ihre Brutzellen bauen. Diese Nistgänge werden von bestimmten Käfern beim Fressen erzeugt. In unserer ausgeräumten Landschaft gibt es immer weniger natürliche Nistplätze! Helfen Sie den geflügelten Wohnungssuchenden, eine Bleibe zu finden!

  • Wildbienennisthilfe

Was nicht in ein Wilbienenhotel gehört!

Völlig nutzlos sind die folgenden Nistelemente, die leider sehr häufig in Wildbienenhotels zu finden sind:

  • Stroh / Tannenzapfen. Dieses wird selbst im Winter nicht zum Überwintern durch Insekten genutzt.
  • Lochziegelsteine. Meist sind die Löcher zu groß oder innen zu rau, um für Bienen oder andere Hautflügler als Nistplatz in Frage zu kommen. Sie eignen sich höchstens dazu, Bambusröhrchen darin zu positionieren.
  • Kieselsteine oder andere Substrate.
25 %

der Wildbienenarten können von einer guten Nisthilfe profitieren!

Ein Wildbienenhotel besteht aus künstlichen Nisthilfen für Wildbienenarten sowie für verschiedene andere Hautflüglergruppen. Neben Bienen siedeln vor allem Grab- und Faltenwespen darin. Andere Insektengruppen nisten nicht im Wildbienenhotel, sondern nutzen es höchstens zum Übernachten oder zum Überwintern. Eine Ausnahme bilden die zahlreichen Parasiten der eigentlichen Hotelbewohner, zu denen zum Beispiel Schlupf- oder Erzwespen  gehören. Die meisten Hotelbewohner sind Altholz- und Stängelbesiedler, doch Sie können auch Nisthilfen für Steilwandbesiedler anbringen.

Ein Wildbienenhotel  besteht aus zwei Elementen: ·

  • Einem Rahmen, der meist wie ein Regal gebaut wird. Wichtig sind eine gute Verankerung im Boden sowie ein Dach, welches  Regen abweist. Die Rückwand kann offen bleiben. ·
  • Dazu kommen Nistelemente, die man in die Regalfächer stapeln kann und dort befestigen muss. Diese Elemente werden nachfolgend besprochen. Sie lassen sich auch ohne den Rahmen zum Beispiel auf dem Balkon oder an anderen Stellen einsetzen.

Wichtig!

Achten Sie darauf, die Nisthilfen an einen trocken, warmen, sonnigen und windgeschützten Standort aufzuhängen. Am besten eignet sich ein Standort in südöstlicher Ausrichtung. In Bäumen hängende, beschattete oder frei hängende Nisthilfen werden nicht angenommen.

Nistelement Totholz

Der Ursprung: Totholzbewohnende Bienen (und andere Stechimmen) nutzen in der Natur alte Bohrlöcher (Ausschlupflöcher) von Holzkäfern oder Holzwespen in abgestorbenen Holzpartien. Diese Käfer bohren sich vom Stamminneren waagrecht nach außen und hinterlassen ein sehr sauberes und nicht ausgefranstes Bohrloch.

Der häufigste Fehler: Viele Wildbienenhotels enthalten als Holzelement einen Block oder eine Baumscheibe aus weichem Holz, meist aus Fichte. Die Löcher werden in der Regel von oben in die Baumringe, also vertikal (im Verlauf des Stammes von unten nach oben) gebohrt. Das ergibt aber  ausgefranste Bohrlöcher, die leicht splittern und die auch nach mehreren Jahren oftmals nicht besiedelt werden. Gute Bohrlöcher hingegen sind bereits  im ersten Jahr weitgehend ausgebucht.

So geht es richtig: Man nehme hartes, am besten abgelagertes Holz wie Buche, Esche, Eiche, Apfel und bohre die Löcher von der Seite her durch die Rinde. Die Löcher sollten verschiedene Durchmesser von zwei bis neun Millimeter besitzen und etwa gleich auf der Oberfläche verteilt werden. Sie  sollten so tief bohren, wie der Bohrer lang ist, maximal 15 Zentimeter. Sie können die Bohrränder etwas abschmirgeln, damit keine Splitter abstehen, an  denen die Tiere ihre Flügel beschädigen könnten. Ausgefranste Bohrlöcher werden von den Bienen gemieden. Die Öffnung sollte hinten geschlossen sein, Sie dürfen also nicht komplett durch das Holz bohren. Vor allem Stammholz ist gut geeignet, das beim Fällen alter Obstbäume anfällt. Ist das Holz bereits  trocken oder tot, können Sie es sofort verwenden. Frisches Holz sollten Sie einige Zeit ablagern, damit es austrocknet und sich die Bohrlöcher  nicht verziehen oder reißen.

Pflege der Nisthilfe

Die Nisthilfen sollten Sie einmal im Jahr durchsehen und pflegen. Nach drei bis vier Jahren sind viele Nisthilfen verbraucht, das heißt die Nester  wurden mehrfach genutzt, die Arten sind geschlüpft, doch die verbleibenden Reste behindern neue Individuen bei der Nestanlage. Sie erkennen die daran, dass die Nestverschlüsse auch im Winter zerstört sind. Intakte Nester mit einer Bienenlarve besitzen stets einen intakten Verschluss. Zur Pflege können Sie Folgendes tun:·

  • Das Wildbienenhotel muss regelmäßig kontrolliert und Schäden durch Wind, Wetter oder Vögel müssen beseitigt werden. · Wenn zum Beispiel Meisen damit beginnen, Nisthilfen aufzupicken oder die Nisthilfen aus dem Hotel zu ziehen, sollte die Nistwand mit einem Gitter abgedeckt werden.
  • Holznisthilfen: Haben Holzblöcke viele zerbrochene oder nicht vollständig verschlossenene Nestabschlüsse, sollten Sie diese nach zwei bis drei  Jahren ersetzen oder mit einem spitzen Gegenstand, wie einem Schraubenzieher, reinigen. Wenn die überwiegende Anzahl der Nestverschlüsse allerdings intakt ist, brauchen Sie nichts zu unternehmen.
  • Stängelnisthilfen: Gleiches gilt für die Stängel. Stängel aus harten Materialien (Bambus) sollten Sie reinigen, vor allem wenn der Anteil  zerstörter Nestverschlüsse (Sichtkontrolle im Winter) überhand nimmt. Stängel aus weichen Materialen sollten Sie ersetzen, wenn sie beginnen, zu zerfasern.
  • Lehm- und Lössnisthilfen: Solche Nisthilfen eignen sich viel länger zur Besiedlung durch Bienen. Hier ist auf allgemeine Beschädigungen, wie herausbröckelndes Substrat, zu achten. Dieses kann mit einer Maurerkelle wieder eingefügt werden.

Nistelement Stängel

Der Ursprung: Stängelnister nagen selbst Löcher in markhaltige Stängel (Holunder, Brombeere) oder nutzen hohle Stängel, die auf natürlichem Weg entstanden sind.

Der häufigste Fehler: Stängel, die vorne ausgefranst oder hinten offen sind, werden nicht besiedelt.

So geht es richtig: Als hohle Stängel eignen sich Bambusrohre oder Schilfmatten aus dem Baumarkt. Auch hier sollte der Innendurchmesser zwischen  zwei und neun Millimetern liegen. Damit die Stängel am Ende geschlossen sind, müssen Sie lediglich an der richtigen Stelle abschneiden: An den verdickten Stellen befinden sich innen Verbindungswände – einfach direkt dahinter mit einem scharfen Messer scheiden, Matten zusammenrollen,  Bambus bündeln. Für Marknister können Sie von Brombeere, Holunder, Distel, Königskerze, Heckenrose,Klette, Beifuß und Karde Stängel abschneiden,  diese auf eine Länge von 15 bis 20 Zentimeter zurecht schneiden und an einem sonnigen Ort senkrecht oder leicht schräg fixieren. Nur so können sie von den Marknistern als  Niststruktur wahrgenommen werden. Diese Röhrchen und Stängel müssen alle paar Jahre erneuert oder gereinigt werden, weil sie in der Regel nur wenige Male besiedelt werden.

Wertvolle Strukturen für erdnistende Wildbienen

Der Großteil der Wildbienenarten nistet im Erdboden, weswegen ihnen mit einem Wildbienenhotel nicht geholfen ist. Um auch diese Wildbienen bei ihrer Nistplatzsuche zu unterstützen, kann man verschiedene offene Bodenstrukturen schaffen.


  • Steilkanten

    Einige Wildbienenarten nisten ausschließlich in den senkrechten Wänden von Abbruchkanten.

  • Offene Bodenstellen

    Viele Wildbienenarten nisten in schütter bewachsenen und gut besonnten Flächen.


  • Steilkanten

  • Offene Bodenstellen

Nistelement Lehm- bzw. Lösswand

Der Ursprung: Steilwandbesiedler graben die Nester selbst in das Substrat. Dieses sollte weder zu fest noch zu bröselig sein. Ideal ist zum Beispiel Löss. Die Niststellen müssen sonnenexponiert sein.

Der häufigste Fehler: Das Substrat ist verfestigt oder bröselt auseinander. Vorgebohrte Löcher werden von den  Bienen meist nicht angenommen.

So geht es richtig: Füllen Sie geeignetes Substrat in große, rechteckige Blumentöpfe oder andere Behältnisse. Sie können  aus Plastik sein, hinten und unten ein paar Löcher gegen Wasserstau bohren. Löss eignet sich am besten. Diesen können Sie in großen Stücken ausstechen und so in die Behälter setzen, damit die natürliche Struktur nicht verloren geht. Alternativ können Sie auch lehmige Erde nehmen und mit etwas Sand  aufmischen. Das Substrat sollte stabil sein, doch Sie sollten es mit dem Daumen noch leicht eindrücken können.

Tipp

Es ist nicht ganz leicht das richtige Sand-Substrat für die erdnistenden Wildbienen zu finden. Schauen Sie ob bei Ihnen in der Nähe eine Sand- oder Kiesgrube ist und fragen Sie vor Ort nach ungewaschenen feinen Natursanden. Beispiele dafür sind Schlemmsande, Feinsande oder Schluff.

Wildbienenschutz im Garten

Wildbienenschutz im Garten

Wildbienen sind sehr ausbreitungsaktiv und können neue Lebensräume über mehrere Dutzend bis Hunderte Kilometer besiedeln. Wenn die Weibchen ein Nest angelegt haben, können sie Pollenquellen im Umkreis von mehreren hundert Metern um das Nest herum für ihre Sammelflüge nutzen. Je näher Nist- und Nahrungsraum benachbart sind, desto weniger muss ein Bienenweibchen fliegen und desto mehr Nachkommen kann es produzieren. Wenn in der näheren Umgebung der eigenen Gartenanlage also noch Wildbienenpopulationen bestehen, wird man diese bei entsprechender Gartengestaltung schnell auch im eigenen Garten ansiedeln können. In den meisten Großstädten sind bisher noch viele Wildbienenarten zu finden – daher ist es sehr erfolgversprechend, hier etwas für den Wildbienenschutz zu tun.


Ein wildbienenfreundlicher Garten

Schon gewusst?

Wildbienen sind hoch effiziente Bestäuber, deren Arbeit die Bestäuberleistung von Honigbienen in der Regel weit übersteigt. Wer also Wildbienen im eigenen Garten fördert, kann sich über reiche Erträge bei Äpfeln, Birnen oder Kirschen sowie bei vielen Beerenfrüchten freuen.

Wie kann ein Garten gestaltet werden?

Es ist relativ einfach, im eigenen Garten Nist- und Nahrungshabitate für Wildbienen zu schaffen und damit aktiven Artenschutz zu betreiben. Wie bereits beschrieben, benötigen Wildbienen eine hohe Strukturvielfalt und finden ihre spezifischen Niststellen und Blüten von alleine, wenn sie im Umfeld vorhanden sind. Wildbienen lassen sich am einfachsten dadurch fördern, den eigenen Kleingarten nicht allzu sehr zu pflegen und bestimmte Pflanzen, die wir als Unkräuter wahrnehmen, gelegentlich auch stehen zu lassen (z. B. Disteln). Denn ein „englischer Rasen“ und sauber mit Steinen eingefasste und mit Torfmulch abgedeckte Beete oder immergrüne exotische Pflanzen in Gärten sind der Tod von Wildbienenpopulationen. In solchen Gärten finden sie und viele andere Insekten- sowie Vogelarten kaum noch Lebensmöglichkeiten. In „natürlichen Gärten“ hingegen entstehen Nischen und Artenvielfalt von allein. Doch nicht jedermann will seinen Garten verwildern lassen. Extreme Verwilderung und Unordnung sind auch nicht notwendig, um Wildbienen zu fördern. Denn auch in gepflegten Gärten können Wildbienen mit vielen einfachen Maßnahmen gefördert werden.

Zwei Maßnahmen sind zur Förderung von Wildbienen im Garten am wichtigsten:

1. Blütenvielfalt fördern

Wildbienen brauchen für sich und ihren Nachwuchs Nektar und Pollen als Nahrungsgrundlage. Um sie hierbei zu unterstützen, ist es wichtig, eine möglichst hohe Blütenvielfalt von April bis Oktober zu schaffen. Zur Förderung von Blüten im Garten gibt es verschiedenste Möglichkeiten:

Wiesen und Rasen


Die einfachste Art, im eigenen Garten blühende Pflanzen zu fördern, ist die Verwandlung des Zierrasens in eine Blühwiese.

Das erreicht man am schnellsten mit den folgenden Maßnahmen:

  • Reduzierung der Mahd auf zwei Zeitpunkte im Jahr, im Frühsommer nach der Hauptblüte der ersten Pflanzen sowie nach der Vegetationsperiode im September.
  • Beseitigen des Mähgutes, damit die Wiese aushagert (Nährstoffe verliert) sowie Verzicht auf Düngung. Wenn Sie Ihren Rasen auf diese Weise aushagern, wird sich der Rasen nach und nach in eine bunte Wiese verwandeln. Falls dies nicht passiert, weil zum Beispiel die Samenbank im Boden verarmt ist, können Sie eine Blühmischung einsäen, die entsprechende Wiesenblumen enthält.

Blühmischungen sind im Gartenhandel oder über das Internet zu beziehen. Wichtig ist, dass einheimische Wildblumenarten darin vorkommen. Für die Ansaat sind die Empfehlungen der Hersteller zu beachten. Ein eigens für Wildbienen entwickeltes Saatgut können Sie auch über den Shop der Deutschen Wildtier Stiftung www.DeutscheWildtierStiftung.de beziehen.



Auf den kurzen Rasen muss nicht verzichtet werden!

Wer es ordentlich mag, der kann beim Rasenmähen einfach Pflanzeninseln stehen lassen. Mit einer ansprechenden Form (oval, halbrund oder anderes) können sie sehr zu einer ästhetischen Gartengestaltung beitragen. Auf ihnen kann sich dann eine wildbienenfreundliche Blühwiese entwickeln, während man den übrigen Teil der Wiese für andere Zwecke nutzen kann.

Staudengarten


Eine weitere Möglichkeit, um einen bunten und vielseitigen Mittagstisch für Wildbienen im eigenen Garten zu schaffen, bietet der Staudengarten. Dort können zahlreiche wildbienenfreundliche Pflanzen gezielt angepflanzt werden. Zudem kann der Garten mit verschiedenen Elementen attraktiv gestaltet werden, damit er auch optisch ansprechend aussieht.

Gestaltungselementen sind beispielsweise:

  • Anlage räumlich abgegrenzter Bereiche, die nach Themen oder nach Jahreszeiten gegliedert werden können
  • Abgrenzungen der Beete mit Steinen oder Holzelementen
  • Anlage von Hügeln oder höher gelegener Beete
  • Ergänzung der Beete mit Pflanzkübeln

Gute Inspirationen findet man beispielsweise in Botanischen Gärten oder in alten Klostergärten. Auch das Internet bietet zahlreiche Beispiele für eine ansprechende Gartengestaltung. In einem Staudengarten können viele wildbienenfreundliche Pflanzenarten angepflanzt werden. Da es eine große Fülle von Pflanzen gibt, empfehlen wir Ihnen, vorab einen Plan zu erstellen und sich anschließend im Gartenfachhandel beraten zu lassen, welche Pflanzen für welche Ideen geeignet sind. Bei der Pflanzung sollten Sie die folgenden Punkte berücksichtigen:

  • Sie sollten eine möglichst große Vielfalt an Pflanzenfamilien- und arten anpflanzen.
  • Die Blühzeitpunkte sollten so zusammengestellt werden, dass über die gesamte Vegetationsperiode blühende Pflanzen vorhanden sind. Dabei muss nicht jede Pflanzenfamilie zu jeder Jahreszeit blühen. Viele Korbblütler sind zusammen mit den darauf spezialisierten Bienenarten Sommer- oder Herbstformen, während Kreuzblütler und manche Schmetterlingsblütler im Frühsommer blühen.
  • Aus optischen Gründen ist zudem die Blühfarbe und Farbwahl zu beachten.
  • Sie sollten auch die Wuchsform der Pflanzen beachten, damit sich die Arten nicht gegenseitig unterdrücken.
  • Stauden sind in der Regel mehrjährig. Dennoch kann man in einen Staudengarten auch einjährige Pflanzen einbringen.

Themenpark
Eine Möglichkeit, seinen Staudengarten interessant zu gestalten, ist eine Gliederung nach Themengebieten.

Mögliche Themen sind: Arzneipflanzen, Gewürzpflanzen, Klostergarten, Sommergarten und ähnliches.

Zur Ausgestaltung der Themen sei auf entsprechende Bücher und das Internet verwiesen. Man sollte jedoch bei allen ausgewählten Pflanzen prüfen, ob sie den oben aufgeführten Kriterien entsprechen.


Schon gewusst?

Es müssen nicht immer nur Blumen sein. Auch heimische Gehölze sind attraktiv für Wildbienen und werden von diesen vor allem im Frühjahr als Nektar- und Pollenquelle genutzt.

Steingarten


Eine Sonderform des Staudengartens ist der Steingarten. Ökologisch stellt er einen trockenwarmen, mageren Lebensraum dar, den es in der Natur zum Beispiel im Hochgebirge sowie auf Steppenrasen und auf Felskuppen gibt. Auch hier können Sie zahlreiche Pflanzen ansiedeln, die gern von Wildbienen genutzt werden.

Dies sind zum Beispiel:

  • Mauerpfeffer und andere Dickblattgewächse
  • Natternkopf
  • Reseda
  • Thymianarten und andere Polsterpflanzen
  • Feldmannstreu

Offene Bodenstellen im Steingarten können von den Wildbienen als Nistplatz genutzt werden. Einige Arten benutzen auch Steine, um dort ihre Mörtelnester anzubringen. Dies tun zum Beispiel einige Mauerbienenarten.


Kletterpflanzen


Mit Rankhilfen und Kletterpflanzen können Sie Ihren Garten hervorragend gestalten und gliedern. Es gibt dabei eine Reihe von Arten, die auch von Wildbienen genutzt werden. Vermeiden sollte man immergrüne Pflanzen mit kurzer oder ohne Blütezeit.

Gut geeignet sind:

  • Blauregen oder Glyzinie: Dieser wird vor allem von der Blauschwarzen Holzbiene, aber auch von Hummeln und Blattschneiderbienen besucht.
  • Efeu: sofern er zu Blüte gelangt (das tut er vor allem in Süddeutschland) ist Efeu im Spätherbst eine wichtige Nahrungspflanzen für Wildbienen, unter anderem auch für die hoch spezialisierte Efeu-Seidenbiene. Diese Art ist erst seit wenigen Jahrzehnten in Deutschland bekannt und breitet sich derzeit aus.
  • Zaunwicke oder andere großblütige Wickenarten: Diese eignen sich vor allem für niedrige Klettergerüste oder Gartenzäune. An Zaunwicken lässt sich häufig die auffällige Mörtelbiene (Megachileericetorum) beobachten.
  • Zaunrübe: Dieses Kürbisgewächs kommt vorallem in Süddeutschland vor und ist einzige Nahrungspflanze für die Zaunrüben-Sandbiene. Diese eindrucksvolle Biene lässt sich an vielen blühenden Zaunrübenbeständen beobachten.

Schon gewusst?

Wildbienen haben ihre Vorlieben beim Pollensammeln. Die einen Arten sind polylektisch und sammeln Pollen an den Blüten mehrerer Pflanzenfamilien. Die anderen Arten sind oligolektisch und sammeln nur Pollen an Blüten einer ganz bestimmten Pflanzenfamilie oder -gattung.

Gemüsegarten


Auch im Gemüsegarten lassen sich Wildbienen fördern. Viele alte Gemüse- und Gewürzpflanzen sind Nahrungsgrundlage für eine Reihe hoch spezialisierter Wildbienenarten. Doch auch anspruchslose Bienenarten nutzen diese Pflanzen sehr ausgiebig. Wer seinen Gemüsegarten auch für Wildbienen aufwerten will, muss dafür sorgen, dass ein Teil der Pflanzen auch zur Blüte gelangt. Bei manchen Kulturpflanzen ist das kein Problem (zum Beispiel Möhre oder Zwiebel), andere werden üblicherweise vor der Blüte genutzt (Schnittlauch). Hier ist es ausreichend, einen Teil der Beete liegen zu lassen, bis die Pflanzen verblüht sind.

Die wichtigsten bienenfreundlichen Nutzpflanzen stammen aus den Familien der Doldenblütler (z.B. Möhre, Koriander, Fenchel) und der Liliengewächse (z.B. Schnittlauch, Zwiebel).


Schon gewusst?

Wer zuerst kommt, frisst zuerst: Manchmal nehmen die vielen Arbeiterinnen der Honigbienen anderen Insekten, die nicht so zahlreich auftreten, Nektar und Pollen weg. Für Hummeln etwa bleibt dann nichts mehr übrig! Helfen Sie mit, das Nahrungsangebot zu erhöhen. Pflanzen Sie Kräuter, die bis in den September blühen, zum Beispiel Lavendel.

2. Schaffung von Nistplätzen

Neben einem reichhaltigen Blütenangebot benötigen Wildbienen auch eine hohe Vielfalt an Nisthabitaten. Um Wildbienen im eigenen Garten einen Lebensraum zu bieten, können verschiedene Niststrukturen angelegt werden. Dabei müssen jedoch die verschiedenen Nistplatzansprüche von Wildbienen beachtet werden.

Diese lassen sich im Wesentlichen drei Kategorien zuordnen:

Altholznister: Ein Teil der Arten nistet in alten Käferbohrlöchern, die die Larven von Holzkäfern und Holzwespen in abgestorbenen Holzpartien alter Bäume hinterlassen. Manche Arten, wie die Blauschwarze Holzbiene, nagen ihre Nester auch selbst, zum Beispiel in alte Birnbäume.

Stängelnister: Viele Wildbienenarten nisten in markhaltigen oder hohlen Stängeln, wie sie in Brombeerhecken, in Holunderbüschen oder in alten Stängeln von Disteln oder Karden entstehen.

Bodennister: Die weitaus meisten Arten nisten im Boden. Dazu benötigen sie offene Bodenstellen, eine lückige Grasnarbe, verdichtete Erde (im Bereich von Wegen), Sandflächen, Steilwände oder Abbruchkanten.

Weitere, hoch spezialisierte Arten nutzen leere Schneckenhäuser oder mörteln ihre Nester selbst aus Baumharz oder Lehm.

Folgende Möglichkeiten gibt es für die Schaffung von Niststrukturen im Garten:

Bodengestaltung


Sehr viele Wildbienenarten nisten im Boden. Sie können diese Arten im Garten leicht fördern:

  • Sie sollten offene Bodenstellen im Bereich von Wegen dulden oder neu anlegen. Diese Flächen können durchaus verdichtet und gelegentlich betreten werden. Die Bienen nutzen sie dennoch. Solche Bodenstellen sollten allerdings vegetationsfrei bleiben und besonnt werden.
  • Senkrechte Erdaufschlüsse oder Erdkanten werden von Bienen schnell besiedelt. Kleine Kanten von 15 bis 25 Zentimeter Höhe sind bereits ausreichend. Auch sie sollten besonnt sein, damit sie als Nistmöglichkeit geeignet sind.
  • Wenn im Garten ein Erdhaufen oder Erdwall vorhanden ist, können Sie diesen an der sonnenzugewandten Seite mit dem Spaten so abstechen, dass eine senkrechte Erdkante entsteht. Das beste Nistsubstrat für Bienen an Steilwänden ist Löss, doch auch andere Bodenarten werden besiedelt.
  • Sie können auch eine Sandfläche oder einen Sandhaufen anlegen. Dieser wird von verschiedenen hoch spezialisierten Bienenarten besiedelt. Eine Fläche ab vier Quadratmetern ist dafür ausreichend. Der Sand sollte 20 bis 30 Zentimeter hoch liegen. Um den Durchwuchs von Pflanzen zu verhindern, vorher den Mutterboden etwa 20 Zentimeter tief abtragen.
  •  Auch Rasenflächen können Sie durch Aushagern (Entfernen des Mähgutes sowie Verzicht auf Düngung) und dem bewussten Schaffen kleiner Bodenverletzungen in vielseitige Wildbienennistplätze verwandeln.

Für Bienen sind vor allem kleine offene Bodenstellen im Randbereich von Rasenflächen als  Nistmöglichkeit interessant. Steilwände besitzen gegenüber ebenen Flächen den Vorteil, dass sie  langsamer zuwachsen und damit länger als Nistplatz dienen können.

Beete mit offenen Bodenstellen sind weniger gut geeignet, weil das Substrat in der Regel zu locker ist und durch die ständige Bodenbearbeitung beim Unkrautjäten eine dauerhafte Störung entsteht, mit der die Tiere nicht zurechtkommen.


Stängel


Besonders wichtig für Wildbienen sind markhaltige Stängel, zum Beispiel die von Brombeere, Holunder, Distel, Königskerze, Heckenrose, Kletten, Beifuß und Karde. Sie können sie nach der Blühperiode mit der Gartenschere anschneiden, um das Mark frei zu legen und im Garten stehen lassen. Alternativ können Sie die Stängel  zuschneiden und möglichst einzeln senkrecht bzw. leicht schräg an sonnigen Stellen (z.B. am Zaun) fixieren und sich selbst überlassen. Bei Hecken ist nichts weiter zu tun, sie dienen von sich aus als Nisthabitat für Wildbienen.


Altholz


Altholznister können Sie mit den folgenden Maßnahmen fördern:

  • Alte Bäume mit abgestorbenen Holzpartien sollten Sie nicht entfernen, sondern im Garten stehen lassen. Erst wenn der Baum ein Sicherheitsrisiko darstellt, muss er natürlich entfernt werden.
  • Obstbäume sind entsprechend rechtzeitig nachzupflanzen, um alte Bäume zu ersetzen. Wenn Sie dabei auf alte, hochstämmige Sorten zurückgreifen, tragen Sie gleichzeitig dazu bei, die Vielfalt der Obstsorten zu erhalten.
  • Wenn Sie einen Baum fällen, können Sie bereits abgestorbene und „wurmstichige“ dickere Äste und Stammpartien in einer besonnten Ecke des Gartens senkrecht aufstellen. Diese Hölzer können Sie auch für die Ausstattung eines Wildbienenhotels nutzen.
  • Altes Holz können Sie wie einen Brennholzstapel aufschichten und sich selbst überlassen. Dazu sollte der Stapel mit einem Dach vor Regen geschützt und von einer Seite besonnt sein.

Anlegen einer Trockenmauer!


Wenn sich in Ihrem Garten ein nach Süden ausgerichteter Abhang oder eine Geländekante befindet, können Sie diesen mit einer Trockenmauer für Bienen aufwerten. Viele Bienenarten nisten gern zwischen den Spalten der Mauersteine, zudem können sich die Tiere an der Mauer am Morgen aufheizen. Auf der Mauerkrone können Sie trockenheitsliebende Pflanzenarten wie Mauerpfeffer oder Blaukissen anpflanzen, die für viele Insekten eine wichtige Pollen- und Nektarquelle darstellen.

Bei der Anlage einer Trockenmauer werden passende Steine ohne Mörtel zu einer Mauer aufgeschichtet. Falls ein großer Druck von der Hangseite her auf die Mauer besteht, können hinter die Mauer größere Steine abgelagert werden, deren Spalten mit Erde verfüllt werden. Sie nehmen den Druck des Hanges auf, während die eigentliche Trockenmauer lediglich eine Verblendung ist. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Trockenmauer in steile Hänge, zum Beispiel in alten Weinbergen, eingefügt wird.


Schneckenhausnister fördern!


Für diesen Zweck können Sie leere Schneckenhäuser vor allem von Weinbergschnecken und Schnirkelschnecken sammeln (die Häuser der kleineren Schneckenarten werden von den Bienen nicht besiedelt) und diese auf einer trockenwarmen, sonnenexponierten  und relativ vegetationsarmen Fläche im Garten ausbringen. Wenn  schneckenhausnistende Wildbienen in der Nähe sind, werden sie dieses Nistangebot selbständig  finden und besiedeln. Die Arten lassen sich im Mai und Juni leicht beobachten, wenn sie die Schneckenhäuser inspizieren oder in diesen ihre Nester anlegen.


Natürliche Ecken


In manchen Kleingärten finden sich im hinteren Winkel Bereiche, in denen allerlei Gerät oder Holz abgelagert wurde. Dort wuchern inzwischen große Brombeerhecken, ein paar alte Obstbäume sterben vor sich hin und verschiedene mehrjährige Pflanzen sowie Büsche entwickeln sich. Auch in verwaisten und verwilderten Kleingärten entwickeln sich ähnliche Strukturen. Untersuchungen erbringen in solchen Lebensräumen stets hohe Artenzahlen mit vielen gefährdeten oder besonderen Arten.

Wir möchten Gartenbesitzer daher ermuntern, solche Bereiche zu schaffen oder zu fördern.

Dabei helfen die folgenden Tipps:

  • Wenn Sie die natürlichen Bereiche deutlich von den gepflegten Bereichen des Gartens abgrenzen und die darauf wuchernden Büsche zurückstutzen, können Sie daraus sogar ein hervorragendes Element für eine wildbienenfreundliche Gartengestaltung erstellen. Ein zusätzlich aufgestelltes Wildbienenhotel überzeugt vielleicht sogar skeptische Nachbarn.
  • Nicht jeder Kleingarten braucht eine eigene „natürliche Ecke“. Vielleicht lässt sich ja in einer Kleingartenanlage ein gemeinsamer Bereich anlegen, zum Beispiel auf einem ungenutzen Gartengrundstück oder im hinteren Randbereich.
  • Bei Kritik von Nachbarn sollten Sie die Vorteile solcher Bereiche hervorheben, die sie auch für andere Tiere neben den Wildbienen besitzen: Naturbelassene Ecken fördern nützliche Insekten, Igel und Vögel. Diese wiederum vertilgen Schädlinge, was zu besseren Erträgen bei Obst und Gemüse sorgt. Und ein Igel ist der beste natürliche Schneckenjäger.

Auch Hummeln sind Wildbienen!

Auch Hummeln sind Wildbienen!

Auch Hummeln sind Wildbienen. Ihr lateinischer Gattungsname Bombus bedeutet „das Brummen“. Frei übersetzt sind Hummeln also durchaus als Brummer zu bezeichnen. In Deutschland kommen 41 Hummelarten vor. Dank ihres kräftigen, rundlichen Körpers und ihres dichten Pelzes sind sie unverkennbar und können höchstens mit Pelzbienen verwechselt werden. Doch woran erkennt man die verschiedenen Hummelarten? Ein Merkmal: das unterschiedliche Farbmuster ihrer Pelze.

41

Hummelarten gibt es in Deutschland!

Lang lebe die Königin

Auch wenn Hummeln meist allein unterwegs sind, um Nektar und Pollen zu sammeln, leben sie – wie die  Honigbiene – in Staaten mit einer Königin und unfruchtbaren Arbeiterinnen. Im Sommer kommen noch die Männchen (auch Drohnen genannt) und Jungköniginnen hinzu. In einem durchschnittlich großen Hummelstaat leben 50 bis 600 Exemplare – je nach Hummelart. Jedoch überlebt ein Hummelvolk stets nur einen Sommer. Entgegen der landläufigen Meinung haben die weiblichen Hummeln durchaus einen Stachel (Männchen haben keinen). Besonders aggressiv sind die Tiere aber nicht: Sie stechen in aller Regel nur, um sich zu verteidigen –  etwa wenn ein Mensch versehentlich auf sie oder ihr Nest tritt.

600

Tiere kann ein Hummelvolk beherbergen!

Die ersten Bienen des Jahres

Hummeln gehören zu den ersten Bienen im Jahr und fliegen bereits ab Temperaturen von vier Grad Celsius aus. Honigbienen und andere Wildbienenarten gehen bei der Kälte noch lange nicht auf Nahrungssuche. Denn Insekten sind wechselwarme Tiere, die auf bestimmte Außentemperaturen angewiesen sind. Hummeln haben dieses Problem gelöst, indem sie sich mithilfe ihrer Flugmuskulatur auf Betriebstemperatur aufheizen können. Das ermöglicht ihnen, auch schon früh am Morgen auszufliegen und erst später am Abend in das Nest zurückzukehren.

  • Steinhummel (Bombus lapidarius)

    Die Steinhummel lässt sich ab März in Gärten beobachten und fliegt besonders gern Hornklee an. Durch ihre schwarz-rote Färbung ist sie leicht zu erkennen. Es gibt andere Arten, wie die seltene Distelhummel oder die Felsenkuckuckshummel, die ähnlich gefärbt sind. Die Nester werden sowohl oberirdisch in Hohlräumen (Mauerspalten, Steinhaufen, Vogelnistkästen) als auch unterirdisch in alten Mäusenestern angelegt.

  • Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris)

    Die Dunkle Erdhummel gehört zu den größten, auffälligsten und häufigsten heimischen Hummelarten. Ihr Volk kann im Juni/Juli aus bis zu 600 Tieren bestehen. Ab Februar lassen sich die Königinnen auf der Suche nach geeigneten Nistplätzen beobachten. Meist nistet sie unterirdisch in alten Mäusenestern. Diese Art wird auch zur Bestäubung in der Landwirtschaft in z.B. Gewächshauskulturen eingesetzt.

  • Ackerhummel (Bombus pascuorum)

    Die Ackerhummel ist fast überall zu sehen und fühlt sich in Gärten wohl. Sie ist sehr friedlich und lässt sich leicht in Hummelkästen ansiedeln. Verglichen mit anderen Hummeln ist sie sehr klein und gehört zu den Zwergen unter den Hummeln. Besonderheit: Ihre Völker überleben bis in den Oktober hinein. Damit ist sie eine der langlebigsten Hummelarten.

  • Steinhummel (Bombus lapidarius)

  • Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris)

  • Ackerhummel (Bombus pascuorum)

Nahrungsgeneralisten

Im Gegensatz zu vielen solitären Wildbienenarten sind Hummeln ausgesprochene Nahrungsgeneralisten, die auch exotische Gartengewächse nutzen können. Hummeln lassen sich grob in kurz- und langrüsselige Arten unterscheiden. Mit dem Rüssel, auch Zunge genannt, saugen sie den Nektar aus der Blüte. Bei einigen  Blühpflanzen ist der Nektar so tief in der Blüte verborgen, dass nur langrüsselige Hummeln diese Blüten nutzen. Viele Pflanzenarten können nur durch die Bestäubung der Hummeln überleben!

Besonderheit: Kuckuckshummeln

Neben den staatenbildenden Hummeln gibt es auch die sogenannten Kuckuckshummeln. In Deutschland sind neun Arten bekannt. Sie leben als Einzelgänger, suchen sich ein Wirtsvolk und dringen schmarotzerartig in die Nester anderer Hummeln ein. Kuckuckshummeln sind immer auf die Arbeiterinnen ihrer Wirtskönigin angewiesen. Sie selbst können keinen Pollen sammeln. Im Nest frisst die Kuckuckshummel zudem meist die Eier ihrer Wirtskönigin, während sie selbst Eier legt. Dabei wird das Hummelvolk zwar geschwächt, überlebt aber meistens. Nur selten wird die Wirtskönigin von der Kuckuckshummel getötet. Jede Kuckuckshummel ist auf eine oder wenige Hummelarten spezialisiert, die sie parasitiert. Äußerlich unterscheiden sich die Kuckuckshummeln kaum von den „echten“ Hummeln. So lässt sich die Felsen-Kuckuckshummel (Bombus rupestris) kaum von ihrer Wirtsart, der Steinhummel (Bombus lapidarius), unterscheiden.

Hoch bedroht

Viele Hummelarten stehen in Deutschland inzwischen auf der Roten Liste. Es gibt einige wenige Arten, die wir bei uns im Siedlungsraum noch häufig zu Gesicht bekommen, zum Beispiel die Garten-, Baum-, Acker-, Erd- und Steinhummel. Die meisten Hummelarten sind jedoch in ihrem Bestand stark rückläufig – dazu gehören etwa die Deich-, Gras- und die Veränderliche Hummel. Vor allem im Spätsommer finden sie nicht mehr ausreichend Nahrung. Sie brauchen, wie viele andere Insekten auch, reich strukturierte Lebensräume und können nur dort leben, wo ihre vielfältigen Ansprüche an Nahrung und Nistplatz erfüllt werden. Doch solche Lebensräume verschwinden, weil unsere Agrarlandschaften immer einseitiger und intensiver genutzt werden.  Blütenreiche Streuobstwiesen, artenreiche Waldsäume, Wegböschungen, Brachen, Wegsäume oder extensiv genutzte Wiesen gehen vielerorts verloren. Und auch in Städten und Dörfern werden Freiflächen zugebaut und Straßenränder so lang gemäht, bis dort überhaupt nichts mehr blüht. Kleingärten verwandeln sich in monotone Graswüsten mit exotischen Ziersträuchern oder Koniferen. Daher müssen wir in Stadt und Land mehr auf unsere heimische Insektenwelt achtgeben und geeignete Lebensräume bewahren und schaffen. Wenn Sie Hummeln helfen wollen, gestalten Sie Ihren Garten oder Balkon möglichst blütenreich.

Das Hummeljahr

  • Februar / März

     

    Nestsuche

    An außergewöhnlich warmen Tagen lassen sich schon ab Februar die ersten Hummelköniginnen, meist die Dunkle Erdhummel (Bombus terrestris), auf der Suche nach einem geeigneten Nistplatz und an den ersten Frühjahrsblüten beobachten. Achten Sie mal drauf: Jede Hummel, die Ihnen im März vor die Nase fliegt, ist eine Königin! Nistplätze können je nach Hummelart Totholzhaufen, hohle Baumstämme, Steinspalten, Mäuselöcher oder Vogelnistkästen sein.

  • März - Juni

    Aufbau einer Hummel-Monarchie

    Wurde ein passender Nistplatz gefunden, legt die Königin die ersten Eier und sammelt weiterhin Nektar und Pollen. Nach einigen Wochen schlüpfen dann die ersten Arbeiterinnen, die nach und nach die Aufgaben der Königin übernehmen. Sie bewachen das Nest, sammeln Pollen und Nektar und füttern die Brut. In den ersten Wochen sind die Arbeiterinnen meist noch sehr klein. Von da an bleibt die Hummelkönigin bis zum Ende ihres Lebens in ihrem Hummelnest und legt Eier – in ihrem einjährigen Leben bis zu 1.000 Stück.

     

    März - Juni

  • Juni - Juli

     

    Krönung der neuen Königinnen

    Auf dem Höhepunkt der Entwicklung des Hummelvolkes im Juni/Juli werden neue Jungköniginnen und Drohnen herangezogen. Das Volk kann jetzt aus bis zu 600 Tieren bestehen. Die einzige Aufgabe der Drohnen: Sie befruchten die neuen Hummelköniginnen! Drohnen haben übrigens keinen Stachel! Nach der Paarung suchen sich die jungen Königinnen geschützte Verstecke zum Überwintern, das können z. B. Komposthaufen, Laubhaufen oder auch alte Maulwurfsgänge sein.

  • September - Oktober

    Untergang des alten Volkes

    Im September geht schließlich das Hummeljahr zu Ende: Außer der noch häufigen Ackerhummel sind kaum Hummelarten zu sehen. Das Hummelvolk stirbt mit der alten Königin ab. Die jungen Königinnen ruhen in ihren frostgeschützten Verstecken bis zum nächsten Frühjahr. Doch nur eine von zehn Königinnen wird den Winter überleben und im nächsten Jahr einen neuen Staat gründen. Dann beginnt das Hummeljahr von Neuem.

     

    September - Oktober

Wildbienen in Deutschland!

Wildbienen in Deutschland

In Deutschland leben etwa 600 Wildbienenarten. Die meisten davon besiedeln trockenwarme und offene Lebensräume. Um sich dort fortpflanzen zu können, benötigen sie eine große Strukturvielfalt, die aus Hecken, Altholz, offenen Rohbodenflächen und einem reichhaltigen Angebot blühender Pflanzen bestehen muss. Nur so können Wildbienen ihre hohen Ansprüche an den Lebensraum erfüllen. In Städten eröffnen Gärten und öffentliche Parkanlagen, Friedhöfe und Brachflächen große Chancen für Wildbienen, sofern sie reichhaltig gegliedert sind und einheimische Pflanzenarten beherbergen. Daher finden sich gerade in Städten zahlreiche Wildbienenarten, darunter viele bedrohte oder hoch anspruchsvolle Arten.Wildbienen sind in Deutschland stark gefährdet. Etwa die Hälfte aller Arten steht auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten, einige Arten sind bereits ausgestorben oder unmittelbar vom Aussterben bedroht. Wildbienenschutz ist daher ein wichtiges öffentliches Thema. Wildbienen sind gesetzlich geschützt und dürfen nicht gefangen oder beeinträchtigt werden. Einen informativen Steckbrief über die Wildbienen finden Sie hier.

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Wildbienenarten sind bisher in Deutschland nachgewiesen!

Wildbienen erkennen!

Die meisten Wildbienenarten lassen sich leicht an ihrer pelzigen Behaarung erkennen. Die Weibchen besitzen zudem an den Hinterbeinen oder unter dem Bauch spezielle Haare, an denen sie Pollen transportieren. Bei genauer Betrachtung sind oftmals die gefüllten Pollenhöschen der Tiere zu erkennen. Auch die etwa 40 Hummelarten in Deutschland gehören zu den Wildbienen. Neben den pelzigen Vertretern der Wildbienen gibt es eine Reihe von Arten, die keine Haare tragen. Viele von ihnen, besonders die Kuckucksbienen, sind auffällig gelbschwarz oder rotschwarz gefärbt. Sie können leicht mit verschiedenen Wespenarten verwechselt werden. Auch die Maskenbienen, schwarze und unauffällige Arten mit oftmals weniger als einem Zentimeter Körperlänge, werden häufig eher für eine Wespe als für eine Wildbiene gehalten. Die kleinste deutsche Biene, die Steppenbiene, misst nur vier Millimeter Körperlänge. Sie  kommt nur noch auf wenigen Sandstandorten in der Oberrheinebene vor. Die nächsten Verwandten der Bienen sind die Grabwespen, die Faltenwespen und die Wegwespen. Zusammen mit den Bienen werden sie und andere Insektenfamilien in der Gruppe der Stechimmen (das sind Arten, deren Weibchen einen Wehrstachel besitzen) in der Insektenordnung der Hautflügler zusammengefasst.

  • Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae)

    Diese auffällige Bienenart wurde zur Biene des Jahres 2018 gewählt. Sie kam ursprünglich nur in Südwestdeutschland vor und breitet sich durch den Klimawandel derzeit nach Norden aus. Sie hat inzwischen Norddeutschland erreicht. Die Biene nistet im Boden und sammelt Pollen an vielen verschiedenen Pflanzenarten.

  • Garten Wollbiene (Anthidium manicatum)

    Die Wollbiene nistet in oberirdischen Hohlräumen, die mit Pflanzenfasern ausgekleidet werden. Die Männchen betreiben dabei ein sehr auffälliges Revierverhalten. Sie bewachen ihre Futterpflanzen aus der Luft und lassen nur Weibchen der eigenen Art zu. Andere Blütenbesucher, auch Honigbienen, werden attackiert und vertrieben.

  • Steinhummel (Bombus lapidarius)

    Die Steinhummel lebt wie die meisten anderen Hummelarten auch in Kolonien und nistet in oberirdischen Hohlräumen. Die Art ist weit verbreitet und im Siedlungsbereich sehr häufig. Dort ist sie unverwechselbar, während es im Freiland noch weitere Arten mit roter Hinterleibspitze gibt.

  • Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae)

  • Garten Wollbiene (Anthidium manicatum)

  • Steinhummel (Bombus lapidarius)

Schon gewusst?

Die meisten Wildbienenarten können einen Menschen nicht stechen, weil ihr Stachel viel zu fein ist, um unsere Haut zu durchdringen. Zudem ist von keiner Wildbienenart aggressives Verhalten bekannt, da die Arten ihre Nester nicht verteidigen. Das Weibchen einer Wildbiene – nur die weiblichen Tiere besitzen einen Wehrstachel – würde daher nur dann stechen, wenn man das Tier in die Hand nimmt. Doch selbst, wenn das Tier die Haut durchdringen kann, ist der Stich kaum spürbar. Eine Ausnahme davon machen lediglich Hummeln, doch auch ihr Stich hat längst nicht die Wirkung des Stichs einer Honigbiene.

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Hummelarten sind in Deutschland bekannt!

Lebensweise

Die überwiegende Zahl der Wildbienenarten lebt solitär. Das heißt, sie leben als Einzelgängerinnen (und nicht etwa in einem Bienenstock, wie die  Honigbiene). Die Arten überwintern als Larve oder Puppe und schlüpfen im Frühjahr oder Sommer. Nach der Paarung beginnen die Weibchen im Boden oder in einem oberirdischen Hohlraum, ein Nest mit verschiedenen Brutzellen anzulegen. In jede Zelle füllen sie Pollen und Nektar, legen ein Ei dazu und verschließen die Zelle sowie später das gesamte Nest. Dann überlassen sie die Larven sich selbst. Die Hummeln und wenige Arten der  Furchenbienen bilden einjährige Völker mit einer Königin aus. Bei diesen sozial lebenden Wildbienenarten überwintert eine befruchtete Königin und  gründet im Frühjahr ein Nest. Hier zieht sie zuerst Arbeiterinnen groß, die ihr beim Sammeln von Larvennahrung und beim Nestbau helfen. Später im Jahr produziert sie dann Männchen und befruchtungsfähige Weibchen, die Jungköniginnen. Diese verlassen das Nest, paaren sich und die Königinnen überwintern. Im folgenden Jahr beginnen sie den Zyklus von Neuem. Das alte Nest mit der alten Königin stirbt im Herbst ab. Ein Wildbienenweibchen ist pro Saison durchschnittlich drei bis sechs Wochen aktiv. Jede Art besitzt dabei eine individuelle Flugzeit. Die ersten Bienen erscheinen je nach Witterung mit der Blüte der Saalweiden ab März, die letzten Arten fliegen noch im September. Die sozialen Arten benötigen die gesamte Vegetationsperiode, um Nachkommen zu erzeugen.

Ein Blick in das Nest der Roten Mauerbiene

Als Einzelgänger bauen Wildbienenweibchen ihre Nester bis auf wenige Ausnahmen jedes für sich. Ein Weibchen kann unter günstigen Bedingungen etwa 30 Eier legen. Sie werden im Nest säuberlich durch Wände aus Lehm und Speichel voneinander getrennt abgelegt. Immer ein stiftförmiges Ei pro Brutzelle. Jedes Ei wird mit einem Brei aus Pollen und Nektar versorgt. Die erste und die letzte Brutzelle bleiben leer. Sie dienen als Puffer gegen Plünderer wie Vögel. Weil die Bienen entscheiden können, ob sie befruchtete oder unbefruchtete Eier legen, können sie über das Geschlecht des Eies entscheiden. Beim Bau werden zunächst befruchtete weibliche Eier gelegt, danach männliche. Entsprechend schlüpfen im Frühjahr die Männchen zuerst und warten direkt am Nest auf die Weibchen. Nach der Paarung beginnen die Weibchen dann mit dem Nestbau. Nach nur wenigen Wochen ist ihr kurzes Wildbienenleben zu Ende. Die Eier entwickeln sich im Nest zur Larve und dann zur Puppe mit Kokon, bis sie im nächsten Frühjahr schlüpfen.


Kuckucksbienen

Etwa 25 Prozent aller Wildbienenarten leben brutparasitisch. Gleich einem Kuckuck schleicht sich das Parasitenweibchen in ein fremdes Wildbienennest und legt sein Ei auf den Pollen, bevor die Wirtsbiene das Nest verschließt. Die Kuckuckslarve frisst den Pollenvorrat auf und schlüpft im Folgejahr anstelle der Wirtslarve. Letztere verhungert. Alle Kuckucksarten sind hoch spezialisiert und parasitieren meist nur wenige oder nur eine einzige Wirtsbienenart. Bei den sozialparasitischen Hummelarten übernimmt die Kuckuckshummel ein Hummelnest, indem sie die alte Königin tötet oder mittels spezieller Duftstoffe dominiert. Sie erzeugt keine Arbeiterinnen, sondern nur Geschlechtstiere, die von den Arbeiterinnen der Wirtsart großgezogen werden.

Wildbienen
Kuckucksbienen

Nistansprüche

Bei ihrer Nistplatzwahl sind Wildbienen hoch spezialisiert. Viele Arten graben ihre Nester in den Boden und bevorzugen dabei je nach Art unterschiedliche Habitate wie offene Bodenstellen, dichte Grasnarbe, Steilwände, verdichtete Bodenstellen oder lockere Sande. Ein anderer Teil der Arten nistet oberirdisch in hohlen Stängeln, alten Käferbohrlöchern in Alt- und Totholz oder in selbst genagten Gängen in morschem Holz. Wieder andere Arten nisten in leeren Schneckenhäusern oder mörteln ihre Nester wie die Harzbienen aus Harz oder die Mauerbienen aus Lehm. Alle Nistplätze, sowohl der unterirdisch als auch der oberirdisch nistenden Arten, müssen besonnt sein, weil sich die Larven nur bei genügend hohen Temperaturen entwickeln können.

Nisten im Erdboden
Nisten oberirdisch in z.B. Hohlräumen und Stängeln
Schmuggeln ihre Brut in die Nester anderer Wildbienenarten
  • Abbruchkanten

    Besonnte Abbruchkanten sind für viele Wildbienenarten ein idealer Nistplatz.

  • Natürliche Niststrukturen...

    müssen nicht großflächig sein. Wichtig sind viele unterschiedliche Strukturen.

  • Vegetationsfreie Flächen

    Auch schütter bewachsene Rasenflächen bieten vielen Wildbienenarten einen geeigneten Nistplatz.

  • Nesteingang einer Wildbiene

    Über 50% der Wildbienenarten nisten im Erdboden.

  • Abbruchkanten

  • Natürliche Niststrukturen...

  • Vegetationsfreie Flächen

  • Nesteingang einer Wildbiene

Nahrungsansprüche

Die Wildbienen – mit Ausnahme der Brutparasiten – tragen Pollen und Nektar als Larvennahrung in ihre Nester ein. Etwa 30 Prozent aller in  Deutschland vorkommenden Arten sind für den Polleneintrag auf eine oder wenige Pflanzenfamilien, -gattungen oder sogar nur auf eine einzige Pflanzenart spezialisiert. Diese Bienenarten werden „oligolektische Arten“ genannt. Ohne ihre spezifische Pollenquelle können sich die Arten nicht entwickeln.

Neben der Pflanzenart ist auch die Anzahl entscheidend für den Fortpflanzungserfolg. Eine Biene benötigt manchmal Pollen von mehreren hundert oder gar tausend Einzelblüten, um eine einzige Brutzelle mit ausreichend Nahrung zu versorgen.  Zur Eigenversorgung mit Nektar können die erwachsenen Bienen auch andere Pflanzenarten nutzen. Besonders Bienenmännchen oder auch die Kuckucksbienen trifft man daher auf vielen verschiedenen Pflanzen an.

Schon gewusst?

Wildbienen haben ihre Vorlieben beim Pollensammeln. Die einen Arten sind polylektisch und sammeln Pollen an den Blüten mehrerer Pflanzenfamilien. Die anderen Arten sind oligolektisch und sammeln nur Pollen an Blüten einer ganz bestimmten Pflanzenfamilie oder -gattung.