Der Tegeler Weg ist eine vollsonnig und ruhig gelegene Grünfläche am Spreeufer. Die Fläche umfasst ca. 2.700 Quadratmeter und ist mit Wildrosen bestanden. Zum Ufer der Spree hin befindet sich ein steiles Hangstück. Auf der Fläche befindet sich vor allem am östlichen Teil ein hohes Aufwertungspotential. Das Blühangebot soll durch eine teilweise Aussaat von heimischen Trockenrasenarten erhöht werden. Zusätzlich sollen Abbruchkanten geschaffen sowie Totholzstrukturen eingebracht werden, die als ideale Nistgelegenheit für viele Wildbienenarten dienen.

Ergebnisse der wissenschaftlichen Begehung:

Die Brache am Tegeler Weg ist für die Wildbienenfauna die interessanteste und wertvollste Projektfläche. Hier wurden die meisten Wildbienenarten gezählt (27 Arten) und auch die Anzahl an wichtigen Nektar- und Pollenquellen ist mit 14 Arten im Vergleich zu einigen anderen Flächen hoch. Darunter sind typische Pflanzenarten der innerstädtischen Brachen wie Reseda lutea, Sedum acre und Anchusa officinalis.

Die meisten Wildbienenarten wurden in niedrigen Individuendichten beobachtet, nur drei Arten sind häufiger („verbreitet“). Dazu gehört neben der Steinhummel und der Ackerhummel auch die Mauerbienenart Hoplitis anthocopoides, die im Gebiet eine erstaunlich individuenreiche Population aufweist. Sie profitiert als Nahrungsspezialist von den größeren Beständen des Natternkopfs und ebenfalls von günstigen Nistmöglichkeiten. Die Art baut Freinester aus Sand, kleinen Steinchen und körpereigenem Sekret in Spalten und Vertiefungen von Felswänden, Mauern und Steinen. Am Tegeler Weg nistet die Art beispielsweise an besonnten und regengeschützten Stellen der dort vorhandenen Findlinge. Hoplitis anthocopoides ist eine der fünf landes- bzw. bundesweit gefährdeten Arten, die am Tegeler Weg nachgewiesen wurden. Besonders bemerkenswert sind davon noch die Östliche Zwergwollbiene Pseudoanthidium nanum und die Östliche Felsen-Mauerbiene Osmia mustelina. Die Zwergwollbiene, eine oligolektische, auf Korbblütler spezialisierte Art, gilt noch in Berlin als vom Aussterben bedroht. Da sich die Art aber in den vergangenen Jahren in Berlin ausgebreitet hat, wird sie in der neuen Roten Liste der Bienen Berlins anders eingestuft werden. Die Felsen-Mauerbiene, die in Berlin und in Deutschland als stark gefährdet gilt, zählt in Berlin zu den Zielarten des Biotopverbundes.

Auch die oligolektischen Bienen sind auf der Projektfläche am Tegeler Weg zahlreich vertreten. Es wurden sechs Pollenspezialisten nachgewiesen, neben den bereits genannten Arten Hoplitis anthocopoides und Pseudoanthidium nanum auch noch Hylaeus signatus (spezialisiert auf Reseda), Hoplitis adunca (eine weitere an Echium gebundene Art) und zwei Spezialisten für Schmetterlingsblütler (Melitta leporina und Megachile ericetorum).

Fazit: Die untersuchte Freifläche ist im östlichen Bereich ein optimaler Wildbienen-Lebensraum. Vor allem die südexponierten Böschungsbereiche sind wichtige Nahrungs- und auch Nistplätze für verschiedene Bienenarten. Die Findlinge sind an ihren jetzigen Standorten zu belassen. Die Freibauten der Mauerbiene Hoplitis anthocopoides werden im nächsten Jahr wiederbesiedelt und weitergebaut. Im Gegensatz zum östlichen Bereich ist der Bereich  westlich des Tegeler Wegs eingezäunt und gehölzdominiert. Hier sollten Maßnahmen zur Auslichtung ergriffen werden, Eichen (Quercus) und Weiden (Salix) sollten allerdings erhalten bleiben. Auch sind in beiden Bereichen die Dominanzbestände von ausbreitungsstarken Pflanzen wie Calamagrostis epigejos und Saponaria officinalis zu bekämpfen. Auf zusätzliche Ansaaten sollte auf der östlichen Teilfläche verzichtet werden. Auch im westlichen Bereich sollten die freigestellten Areale der Selbstbegrünung überlassen werden. Falls sich dort unerwünschte Dominanzbestände entwickeln sollten, kann mit Ansaaten gegengesteuert werden. Für die Aussaat einer Blühmischung ist der Grünstreifen zwischen Spreeufer und Wanderweg geeignet, der sich im Westen an die eigentliche Projektfläche anschließt.

Die auf der Projektfläche Tegeler Weg nachgewiesenen Wildbienenarten.
Wissenschaftlicher NameDeutscher Name
Halictus leucaheneusSand-Goldfurchenbiene
Halictus tumulorumGewöhnliche Goldfurchenbiene
Lasioglossum aeratumSandrasen-Schmalbiene
Lasioglossum calceatumGewöhnliche Schmalbiene
Lasioglossum pauxillumAcker-Schmalbiene
Sphecodes nigerSchwarze Blutbiene
Melitta leporinaLuzerne-Sägehornbiene
Hoplitis aduncaGewöhnliche Natternkopfbiene
Hoplitis anthocopoidesMatte Natternkopfbiene
Megachile ericetorumPlatterbsen-Mörtelbiene
Megachile willughbiellaGarten-Blattschneiderbiene
Osmia mustelinaÖstliche Felsen-Mauerbiene
Pseudoanthidium nanumÖstliche Zwergwollbiene
Bombus hypnorumBaumhummel
Bombus lapidariusSteinhummel
Bombus pascuorumAckerhummel
Bombus pratorumWiesenhummel
Bombus sylvarumBunte Hummel
Bombus terrestrisDunkle Erdhummel
Bombus vestalisGefleckte Kuckuckshummel
Ceratina cyaneaGewöhnliche Keulhornbiene