Im Mai 2019 konnten wir eine Grünfläche am Tegeler Weg im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf für Wildbienen und andere Bestäuber aufwerten. Auf insgesamt 822 Quadratmetern legten wir zur Förderung der bestehenden Vegetation Wildblumenwiesen an. Weiterhin fördern wir seitdem auf 1.091 Quadratmetern durch eine angepasste Mahd die natürliche Vegetation vor Ort. Um zusätzlich natürliche Niststrukturen zu schaffen, legten wir eine offene Bodenfläche auf 230 Quadratmetern an sowie eine 133 Quadratmeter große Sandböschung.

Das verwendete Saatgut stammt aus dem Berliner Raum und ist in seiner Artzusammensetzung optimal an die Bedürfnisse der Wildbienen angepasst. Auch viele weitere Bestäuber profitieren von dieser Pflanzenauswahl. Um interessierte Passanten über die Maßnahmen im Zuge des Projektes aufzuklären, wurde ein Informationsschilder aufgestellt.

Da sich die Wildblumenwiesen nicht wie gewünscht entwickelten, wurden diese im Februar 2020 neu überarbeitet.

Ergebnisse der wissenschaftlichen Begehung nach Abschluss der Arbeiten:

Die Brache am Tegeler Weg ist für die Wildbienenfauna eine sehr wertvolle Projektfläche. Hier kommen 16 für Wildbienen interessante Nutzpflanzen vor, darunter sind Echium vulgare und Anchusa officinalis. Besonders interessant waren als Nisthabitat neben einer offenen Sandfläche eine Findlingsgruppe. Dort fanden sich Freinester der seltenen Matten Natternkopfbiene (Hoplitis anthocopoides).

Insgesamt wurden 28 Wildbienenarten nachgewiesen. Die meisten dieser Arten sind selten oder zerstreut anzutreffen. Nur Stein- und Ackerhummel, gewöhnliche Maskenbiene sowie die Dichtpunktierte Goldfurchenbiene waren verbreitet anzutreffen. Fünf Arten sind landes- oder bundesweit gefährdet, zwei weitere Arten sind auf der Vorwarnliste. Fünf Arten sind Pollenspezialisten und benötigen Schmetterlingsblütler, Korbblütler oder Natternkopf.

Fazit: Mit 28 Arten ist nur eine Wildbienenart hinzu gekommen. Als Ursachen hierfür können eine zeitweise Vermüllung der Fläche, die Trockenheit des Jahres und die schlecht durchgeführte Mahd gesehen werden.

Die auf der Projektfläche Tegeler Weg nachgewiesenen Wildbienenarten vor Beginn der Arbeiten.
Wissenschaftlicher NameDeutscher Name
Halictus leucaheneusSand-Goldfurchenbiene
Halictus ribicundusRotbeinige Furchenbiene
Lasioglossum calceatumGewöhnliche Schmalbiene
Lasioglossum morioDunkelgrüne Schmalbiene
Sphecodes albilabrisRiesen-Blutbiene
Sphecodes monilicornisDickkopf-Blutbiene
Melitta leporinaLuzerne-Sägehornbiene
Hoplitis aduncaGewöhnliche Natternkopfbiene
Hoplitis anthocopoidesMatte Natternkopfbiene
Megachile ericetorumPlatterbsen-Mörtelbiene
Megachile lignisecaHolz-Blattschneiderbiene
Megachile rotundataLuzernen-Blattschneiderbiene
Anthophora furcataWald-Pelzbiene
Anthophora plumipesFrühlings-Pelzbiene
Bombus lapidariusSteinhummel
Bombus pascuorumAckerhummel
Bombus pratorumWiesenhummel
Bombus sylvarumBunte Hummel
Bombus terrestrisDunkle Erdhummel
Bombus vestalisGefleckte Kuckuckshummel
Ceratina cyaneaGewöhnliche Keulhornbiene
Colletes cuniculariusFrühlings-Seidenbiene
Colletes fodiensFilzbindige Seidenbiene
Hylaeus communisGewöhnliche Maskenbiene
Andrena dorsataRotbeinige Körbchensandbiene
Andrena flavipesGewöhnliche Bindensandbiene
Andrena minutulaGewöhnliche Zwergsandbiene
Andrena ovatulaOvale Kleesandbiene

Ergebnisse der wissenschaftlichen Begehung vor Beginn der Arbeiten:

Die Brache am Tegeler Weg ist für die Wildbienenfauna die interessanteste und wertvollste Projektfläche. Hier wurden die meisten Wildbienenarten gezählt (27 Arten) und auch die Anzahl an wichtigen Nektar- und Pollenquellen ist mit 14 Arten im Vergleich zu einigen anderen Flächen hoch. Darunter sind typische Pflanzenarten der innerstädtischen Brachen wie Reseda lutea, Sedum acre und Anchusa officinalis.

Die meisten Wildbienenarten wurden in niedrigen Individuendichten beobachtet, nur drei Arten sind häufiger („verbreitet“). Dazu gehört neben der Steinhummel und der Ackerhummel auch die Mauerbienenart Hoplitis anthocopoides, die im Gebiet eine erstaunlich individuenreiche Population aufweist. Sie profitiert als Nahrungsspezialist von den größeren Beständen des Natternkopfs und ebenfalls von günstigen Nistmöglichkeiten. Die Art baut Freinester aus Sand, kleinen Steinchen und körpereigenem Sekret in Spalten und Vertiefungen von Felswänden, Mauern und Steinen. Am Tegeler Weg nistet die Art beispielsweise an besonnten und regengeschützten Stellen der dort vorhandenen Findlinge. Hoplitis anthocopoides ist eine der fünf landes- bzw. bundesweit gefährdeten Arten, die am Tegeler Weg nachgewiesen wurden. Besonders bemerkenswert sind davon noch die Östliche Zwergwollbiene Pseudoanthidium nanum und die Östliche Felsen-Mauerbiene Osmia mustelina. Die Zwergwollbiene, eine oligolektische, auf Korbblütler spezialisierte Art, gilt noch in Berlin als vom Aussterben bedroht. Da sich die Art aber in den vergangenen Jahren in Berlin ausgebreitet hat, wird sie in der neuen Roten Liste der Bienen Berlins anders eingestuft werden. Die Felsen-Mauerbiene, die in Berlin und in Deutschland als stark gefährdet gilt, zählt in Berlin zu den Zielarten des Biotopverbundes.

Auch die oligolektischen Bienen sind auf der Projektfläche am Tegeler Weg zahlreich vertreten. Es wurden sechs Pollenspezialisten nachgewiesen, neben den bereits genannten Arten Hoplitis anthocopoides und Pseudoanthidium nanum auch noch Hylaeus signatus (spezialisiert auf Reseda), Hoplitis adunca (eine weitere an Echium gebundene Art) und zwei Spezialisten für Schmetterlingsblütler (Melitta leporina und Megachile ericetorum).

Fazit: Die untersuchte Freifläche ist im östlichen Bereich ein optimaler Wildbienen-Lebensraum. Vor allem die südexponierten Böschungsbereiche sind wichtige Nahrungs- und auch Nistplätze für verschiedene Bienenarten. Die Findlinge sind an ihren jetzigen Standorten zu belassen. Die Freibauten der Mauerbiene Hoplitis anthocopoides werden im nächsten Jahr wiederbesiedelt und weitergebaut.

Die auf der Projektfläche Tegeler Weg nachgewiesenen Wildbienenarten vor Beginn der Arbeiten.
Wissenschaftlicher NameDeutscher Name
Halictus leucaheneusSand-Goldfurchenbiene
Halictus tumulorumGewöhnliche Goldfurchenbiene
Lasioglossum aeratumSandrasen-Schmalbiene
Lasioglossum calceatumGewöhnliche Schmalbiene
Lasioglossum pauxillumAcker-Schmalbiene
Sphecodes nigerSchwarze Blutbiene
Melitta leporinaLuzerne-Sägehornbiene
Hoplitis aduncaGewöhnliche Natternkopfbiene
Hoplitis anthocopoidesMatte Natternkopfbiene
Megachile ericetorumPlatterbsen-Mörtelbiene
Megachile willughbiellaGarten-Blattschneiderbiene
Osmia mustelinaÖstliche Felsen-Mauerbiene
Pseudoanthidium nanumÖstliche Zwergwollbiene
Bombus hypnorumBaumhummel
Bombus lapidariusSteinhummel
Bombus pascuorumAckerhummel
Bombus pratorumWiesenhummel
Bombus sylvarumBunte Hummel
Bombus terrestrisDunkle Erdhummel
Bombus vestalisGefleckte Kuckuckshummel
Ceratina cyaneaGewöhnliche Keulhornbiene